Goldpreis KW 45/2026 – US-Wahlnacht schießt Gold zurück über 4.000 Dollar
Am Dienstag fanden in den USA die Zwischenwahlen statt, die sogenannten Midterms. Am Mittwoch begann der Handel in Frankfurt mit einem Kurssprung beim Gold von umgerechnet gut 100 Dollar je Feinunze. Dabei zogen diese Woche gleich zwei Notenbanken die Zinsschraube an. Eine Woche zuvor sorgte allein die Aussicht auf Zinserhöhungen noch für so viel Angst, dass Gold auf den tiefsten Stand seit fast einem Jahr fiel. Warum es diesmal andersherum lief, hat mit Schulden zu tun, die Amerika jetzt vielleicht nicht mehr machen wird.
ALLE PREISE IN US-DOLLAR.
TL;DR – Die Woche in Zahlen
- Wochenhoch: 133,04 USD/g (Donnerstag, 05.11., im Tagesverlauf)
- Wochentief: 125,11 USD/g (Montag, 02.11., im Tagesverlauf)
- Schlusskurs Freitag: 130,73 USD/g
- Wochenveränderung: +6,16 USD/g (+4,95 %)
- Wichtigstes Ereignis: Bei den Midterms verloren die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Der Markt rechnet nun damit, dass die USA weniger neue Schulden machen werden. Dollar und Zinsen in den USA gaben nach, beides spielt Gold in die Karten.
Preisentwicklung im Detail
| Tag | Datum | Schlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Montag | 02.11.2026 | 126,86 USD/g | +1,84 % |
| Dienstag | 03.11.2026 | 126,08 USD/g | -0,62 % |
| Mittwoch | 04.11.2026 | 130,60 USD/g | +3,59 % |
| Donnerstag | 05.11.2026 | 131,74 USD/g | +0,87 % |
| Freitag | 06.11.2026 | 130,73 USD/g | -0,77 % |
Montag, 02.11. – 126,86 USD/g (+1,84%)
Am Morgen wurde erneut ein Angriff auf einen Tanker im Persischen Golf gemeldet. Im Laufe des Tages mehrten sich aber Berichte, dass der Iran zu Verhandlungen bereit sei. Der Ölpreis fiel deutlich, auch der Preis für Gas in Europa gab nach. In Deutschland erwartete der Markt beim Einzelhandel ein kleines Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Stattdessen sanken die Umsätze um 2,0 Prozent. In den USA beklagten weniger Industriebetriebe als erwartet steigende Einkaufspreise. Gold bewegte sich im Tagesverlauf zwischen 125,11 USD/g, dem Tief der Woche, und 127,64 USD/g und schloss bei 126,86 USD/g.
Dienstag, 03.11. – 126,08 USD/g (-0,62%)
In der Nacht griff das US-Militär Berichten zufolge ein Ziel auf der iranischen Insel Qeschm an. Der Ölpreis stieg, der Preis für Gas in Europa legte deutlich zu. Am Mittag meldete der Iran Explosionen an Tankern in der Straße von Hormus. In Australien erhöhte die Notenbank den Leitzins wie erwartet von 4,60 auf 4,85 Prozent. In der Schweiz stiegen die Verbraucherpreise im Oktober um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat, erwartet war keine Veränderung. Am Nachmittag fiel der Ölpreis nach einem Bericht über eine mögliche Annäherung wieder deutlich. In den USA wurde gewählt. Gold bewegte sich zwischen 125,25 und 127,59 USD/g und schloss bei 126,08 USD/g.
Mittwoch, 04.11. – 130,60 USD/g (+3,59%)
Der beste Tag der Woche für den Goldpreis. In der Nacht verloren die Republikaner bei den Midterms ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Gold eröffnete in Frankfurt bei 129,38 USD/g und lag damit umgerechnet schon über 4.000 Dollar je Feinunze. In der Eurozone stieg die Teuerung im Oktober wie erwartet auf 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 3,8 Prozent im Monat davor. Ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel lag sie bei 2,5 Prozent. In Spanien stieg die Zahl der Arbeitslosen um 43.100, erwartet waren 18.700. In Deutschland fiel der Preis für Benzin der Sorte E10 wieder unter 2 Euro je Liter. Am Nachmittag gab der Ölpreis deutlich nach. Brent, der Referenzpreis für Öl, so wie der DAX für Aktien, fiel unter 101 Dollar je Barrel (etwa 159 Liter) und am Abend noch tiefer. US-Vizepräsident JD Vance machte den Iran-Krieg für die Wahlniederlage verantwortlich. Gold erreichte im Tagesverlauf 130,87 USD/g.
Donnerstag, 05.11. – 131,74 USD/g (+0,87%)
Gold startete mit dem nächsten Sprung in den Tag. Zur Eröffnung lag es bei 132,78 USD/g und erreichte im Tagesverlauf mit 133,04 USD/g das Hoch der Woche. Der Iran meldete Brände an Schiffen in der Straße von Hormus, der Ölpreis legte nach dem Einbruch vom Vortag wieder etwas zu. Um 13:00 Uhr erhöhte die Bank of England (BoE), die Notenbank Großbritanniens, den Leitzins von 3,75 auf 4,00 Prozent. Alle neun Mitglieder des Rats stimmten dafür, erwartet war eine knappere Mehrheit. In der Eurozone stiegen die Preise, die Hersteller für ihre Waren verlangen (Erzeugerpreisindex, EPI), um 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. In Deutschland lagen die Aufträge der Industrie 4,4 Prozent über dem Vormonat. In den USA meldeten sich weniger Menschen neu arbeitslos als erwartet. Gold gab vom Hoch etwas nach und schloss bei 131,74 USD/g.
Freitag, 06.11. – 130,73 USD/g (-0,77%)
Schon früh am Morgen kündigte US-Präsident Trump eine baldige Entscheidung zum Iran-Krieg an. Der Ölpreis stieg, Brent kletterte bis knapp unter 100 Dollar je Barrel. In der Schweiz fiel die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) misst, auf minus 45 Punkte, erwartet waren minus 35. In der Eurozone sanken die Umsätze im Einzelhandel um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gold stieg am Vormittag bis auf 131,21 USD/g. Um 14:30 Uhr kamen die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt. Im Oktober entstanden 165.000 neue Stellen, erwartet waren 65.000. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent, die Löhne stiegen um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ein starker Arbeitsmarkt macht eine Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Dezember wahrscheinlicher. Gold fiel binnen Minuten deutlich und erreichte gegen 15:40 Uhr mit 129,59 USD/g das Tief des Tages. Mit dem Handelsstart in New York erholte sich Gold, holte bis zum Abend einen großen Teil des Verlusts wieder auf und schloss bei 130,73 USD/g.
Wochenhoch und Wochentief
Das Wochenhoch erreichte der Goldpreis am Donnerstag, 05.11., im Tagesverlauf mit 133,04 USD/g. Das Wochentief lag am Montag, 02.11., im Tagesverlauf bei 125,11 USD/g. Zwischen Hoch und Tief lagen damit 7,93 USD/g, gut 1 USD/g mehr als in der Vorwoche mit 6,79 USD/g. Diesmal lag das Tief am Anfang der Woche und das Hoch gegen Ende. Gegenüber dem Tief der letzten 52 Wochen vom Freitag der Vorwoche (124,32 USD/g) lag Gold am Donnerstag zeitweise rund 7 Prozent höher.
Eine Wahlnacht drückt Dollar und Zinsen
Bei den Midterms verloren die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat, und zwar deutlicher als erwartet. Am Morgen danach geriet der US-Dollar gegenüber allen anderen wichtigen Währungen unter Druck. Für Gold ist das ein direkter Hebel. Gold wird weltweit in Dollar gehandelt. Fällt der Dollar, wird Gold für alle günstiger, die in Euro, Franken oder Yuan bezahlen. Sie kaufen mehr, und der Preis in Dollar steigt.
Der zweite Hebel sind die Schulden. Für seine Pläne bei Steuern und Ausgaben braucht der Präsident den Kongress, und dort hat seine Partei nun keine Mehrheit mehr. Am Markt rechnet man deshalb damit, dass die USA weniger neue Schulden machen werden. Wer sich weniger Geld leihen muss, muss auch weniger Zinsen bieten. Die Renditen von US-Staatsanleihen, also die Zinsen, die der Staat seinen Geldgebern zahlt, sanken. Gold zahlt gar keine Zinsen. Je weniger andere Anlagen bringen, desto weniger fällt das ins Gewicht.
Dazu kam das Öl. In einer großen Umfrage nach der Wahl nannten viele Wählerinnen und Wähler die gestiegenen Spritpreise als Folge des Iran-Kriegs einen zentralen Grund für ihre Entscheidung. Am selben Nachmittag fiel der Ölpreis deutlich, Brent sank zeitweise unter 95 Dollar je Barrel. Zum Ende der Vorwoche hatte Brent noch über 110 Dollar gekostet. Weniger teures Öl heißt weniger Druck auf die Preise im Alltag und damit weniger Grund für höhere Zinsen. In der Vorwoche hatte genau diese Mechanik Gold nach unten gezogen, diesmal half sie.
Die Reihenfolge zeigt, was zuerst wirkte. Der Sprung über 4.000 Dollar je Feinunze kam schon zur Eröffnung um 8 Uhr, Stunden bevor das Öl nachgab. Am Morgen trieb also vor allem der schwache Dollar. Das Öl legte am Nachmittag nach, und am Donnerstag eröffnete Gold gleich noch einmal umgerechnet rund 68 Dollar je Feinunze höher als am Vorabend.
Zinsschraube angezogen und Gold steigt trotzdem
Am Dienstag erhöhte die Notenbank Australiens den Leitzins von 4,60 auf 4,85 Prozent. Am Donnerstag folgte die Bank of England mit einer Erhöhung von 3,75 auf 4,00 Prozent, einstimmig. Am Mittwoch zeigte die Schnellschätzung für die Eurozone eine Teuerung von 4,0 Prozent, doppelt so viel wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent. Nach der Logik der Vorwoche hätte Gold fallen müssen.
Dass es anders kam, hat zwei Gründe. Erstens waren beide Erhöhungen erwartet worden. Was der Markt erwartet, steckt längst im Preis. Zweitens ist der Leitzins nicht der einzige Zins, der zählt. Den Leitzins legt eine Notenbank fest. Die Renditen von Staatsanleihen dagegen entstehen jeden Tag am Markt, aus Angebot und Nachfrage. Weil Gold in Dollar gehandelt wird, achten viele Händlerinnen und Händler vor allem auf die Renditen in den USA. Und die sanken in dieser Woche, ganz ohne Notenbank, nur durch eine Wahl.
Ganz verschwunden ist die Zinsfrage nicht. Am Freitag reichten starke Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, um Gold für einige Stunden kräftig zu drücken. Die Fed entscheidet im Dezember wieder über den Leitzins, und eine Erhöhung hat sie nicht ausgeschlossen.
Notenbanken kaufen mehr und Anleger weniger
Am Dienstag veröffentlichte der World Gold Council (WGC), der Branchenverband der Goldindustrie, seinen Bericht für das dritte Quartal. Die Notenbanken der Welt kauften von Juli bis September 321 Tonnen Gold. Das waren 42 Prozent mehr als im dritten Quartal 2025 und deutlich mehr als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Zu Jahresbeginn hatten sie sich noch zurückgehalten, im zweiten und dritten Quartal holten sie das mehr als auf.
Bei privaten Käuferinnen und Käufern sah es anders aus. Barren und Münzen waren weltweit 19 Prozent weniger gefragt als ein Jahr zuvor, insgesamt 267,8 Tonnen. In China stieg die Nachfrage, in Indien ging sie deutlich zurück. Auch die Nachfrage nach Wertpapieren, hinter denen echtes Gold im Tresor liegt, sank um 6 Prozent auf 211,2 Tonnen.
Notenbanken kaufen Gold zur Risikostreuung und als Vorsorge für Krisen. Sie denken in Jahren, nicht in Wochen. Ihre Käufe stiegen in einer Zeit, in der Gold vom Rekordhoch zu Jahresbeginn bei 179,10 USD/g (umgerechnet knapp 5.600 Dollar je Feinunze) deutlich nachgab. Auf den Kurs dieser Woche hatte der Bericht keinen sichtbaren Einfluss. Am Tag seiner Veröffentlichung fiel Gold sogar um 0,62 Prozent. Den Wochenkurs bewegten Dollar, Zinsen und Öl. Diesmal wirkten die Käufe der Notenbanken eher wie ein Fundament als wie ein Antrieb.
Fazit und Ausblick auf KW 46
Gold beendete die Woche mit einem Plus von 4,95 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche. Es ist das erste Wochenplus nach drei Minuswochen in Folge. Vom Tief der letzten 52 Wochen bei 124,32 USD/g hat sich Gold damit deutlich entfernt, vom Hoch bei 179,10 USD/g trennen es aber noch rund 27 Prozent.
Diese Woche hat gezeigt, wie eng Dollar, Zinsen und Öl zusammenhängen. Der Ölpreis wiederum hängt derzeit stark am Iran-Krieg. Am Freitag kündigte US-Präsident Trump eine baldige Entscheidung dazu an. Für Gold zählt vor allem, was diese Entscheidung für den Ölpreis bedeutet. Nach oben liegt das Hoch dieser Woche bei 133,04 USD/g, nach unten die Marke von umgerechnet 4.000 Dollar je Feinunze (128,60 USD/g).
Quelle: Deutsche Börse (XETRA-GOLD), Forex Factory Economic Calendar, dpa-AFX, World Gold Council
Stand: 06.11.2026, 22:00 Uhr (Schlusskurs final) | ALLE PREISE IN US-DOLLAR
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Text: Ishy Bazooka für Goldbrief | Stand: November 2026
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.