Goldpreis KW 43/2026 – Warum der sichere Hafen leer bleibt

Öl kostet so viel wie seit fünf Monaten nicht, Gas in Europa so viel wie seit 2022 nicht. Eigentlich genau das Umfeld, in dem Gold glänzen sollte. Dennoch fiel der Goldpreis diese Woche um gut 4 Prozent und rutschte am Freitag erstmals seit Ende Juli unter 4.000 US-Dollar je Feinunze. Wohin schippert das Geld, das sonst in Gold geht? Es liegt dort vor Anker, wo es Zinsen gibt.

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TL;DR – Die Woche in Zahlen

  • Wochenhoch: 134,67 USD/g (Montag, 19.10., im Tagesverlauf)
  • Wochentief: 127,85 USD/g (Freitag, 23.10., im Tagesverlauf)
  • Schlusskurs Freitag: 128,60 USD/g
  • Wochenveränderung: -5,43 USD/g (-4,05 %)
  • Wichtigstes Ereignis: Am Freitag fiel Gold erstmals seit Ende Juli unter 4.000 US-Dollar je Feinunze. Den Weg dorthin bereitete der Donnerstag: Der Ölpreis stieg kräftig, die Sorge vor höheren Zinsen wuchs, und Gold verlor an einem Tag 2,58 Prozent. Wer Sicherheit suchte, kaufte Staatsanleihen, denn die zahlen anders als Gold Zinsen.

Preisentwicklung im Detail

TagDatumSchlusskursVeränderung
Montag19.10.2026133,17 USD/g-0,64 %
Dienstag20.10.2026132,46 USD/g-0,53 %
Mittwoch21.10.2026132,89 USD/g+0,32 %
Donnerstag22.10.2026129,47 USD/g-2,58 %
Freitag23.10.2026128,60 USD/g-0,67 %

Montag, 19.10. – 133,17 USD/g (-0,64%)

Aus China kamen gute Zahlen: Die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, etwas mehr als erwartet. Auch der Einzelhandel in China setzte mit einem Plus von 1,1 Prozent mehr um als erwartet. In Europa stieg der Preis für Gas auf den höchsten Stand seit Ende 2022. Gold startete bei 134,62 USD/g und gab im Tagesverlauf nach.

Dienstag, 20.10. – 132,46 USD/g (-0,53%)

In Deutschland stiegen die Preise der Hersteller (Erzeugerpreisindex, EPI) im September um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, erwartet waren 1,5 Prozent. Die Erwartungen von Finanzexperten an die deutsche Wirtschaft (ZEW, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) sanken auf 28,1 Punkte, erwartet waren 30,2. Der Ölpreis der Sorte Brent, der internationale Referenzpreis für Öl, stieg auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Der Preis für Gas in Europa lag erstmals seit 2022 über 90 Euro je Megawattstunde. Gold fiel den zweiten Tag in Folge.

Mittwoch, 21.10. – 132,89 USD/g (+0,32%)

In Großbritannien stieg die Teuerung im September auf 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet waren 3,4 Prozent. Der Ölpreis gab etwas nach, und Gold stabilisierte sich. Es war der einzige Tag der Woche mit einem Plus.

Donnerstag, 22.10. – 129,47 USD/g (-2,58%)

Der schwächste Tag der Woche. Die Huthi-Miliz aus dem Jemen griff ein großes Ölfeld in Saudi-Arabien an. Das Ölfeld blieb in Betrieb, trotzdem stieg der Ölpreis kräftig. In der Eurozone sank die Stimmung der Verbraucher auf minus 18 Punkte, erwartet waren minus 17. Gold fiel im Tagesverlauf bis auf 129,30 USD/g und damit deutlich unter die Marke von 131 USD/g, die in der Vorwoche noch gehalten hatte.

Freitag, 23.10. – 128,60 USD/g (-0,67%)

In Großbritannien brach die Stimmung der Verbraucher auf minus 24 Punkte ein, erwartet waren minus 14. In Deutschland lief die Industrie im Oktober besser als erwartet, die Dienstleister schwächer (Schnellschätzung Einkaufsmanagerindex). Am Nachmittag ging es dann schnell: Gegen 15:20 Uhr stand Gold noch bei 129,63 USD/g, eine Stunde später beim Tief der Woche von 127,85 USD/g. In diese Stunde fielen zwei Zahlen aus den USA: Die Industrie lief stärker als erwartet, und die Verbraucher rechnen weiter mit einer Teuerung von 4,7 Prozent. Danach erholte sich Gold auf rund 128,77 USD/g, kam aber nicht dauerhaft über 4.000 Dollar je Feinunze zurück. Zum Handelsschluss um 22:00 Uhr stand Gold bei 128,60 USD/g, das sind 3.999,97 US-Dollar je Feinunze. Drei Cent unter der Marke, knapper geht es kaum.

Wochenhoch und Wochentief

Das Wochenhoch erreichte der Goldpreis am Montag, 19.10., im Tagesverlauf mit 134,67 USD/g. Das Wochentief lag am Freitag, 23.10., im Tagesverlauf bei 127,85 USD/g. Zwischen Hoch und Tief lagen damit 6,82 USD/g, fast doppelt so viel wie in der Vorwoche mit 3,92 USD/g. Die Form der Woche: zwei Tage abwärts, ein Tag Pause, dann der Einbruch am Donnerstag und am Freitag noch ein Stück tiefer.

Die Marke von 4.000 Dollar fällt

Im Oktober hatte sich Gold bis zu dieser Woche in einer engen Spanne bewegt. In der Vorwoche lag das Tief bei 131,02 USD/g, knapp über dem Tief der Woche davor. Am Donnerstag brach diese Marke. Am Freitag folgte die nächste: 4.000 US-Dollar je Feinunze, das sind rund 128,60 USD/g. So tief stand Gold zuletzt Ende Juli.

Eine runde Zahl ändert nichts am Wert von Gold. Viele Händlerinnen und Händler orientieren sich aber an solchen Marken und legen dort ihre Aufträge zum Verkauf. Fällt der Kurs darunter, werden diese Aufträge ausgelöst, und der Kurs fällt schneller. Der Freitagnachmittag passt in dieses Muster: Innerhalb einer Stunde verlor Gold 1,78 USD/g.

Warum Anleger lieber Anleihen kaufen

Wenn Krisen die Schlagzeilen bestimmen, gilt Gold als sicherer Hafen. Sicherheit suchten Anlegerinnen und Anleger diese Woche tatsächlich, nachdem Aktien von Technologiefirmen in den USA zuletzt deutlich gefallen waren. Nur landete das Geld nicht im Gold, sondern in Staatsanleihen. Der Grund ist einfach: Auch Staatsanleihen gelten als sicher, und sie zahlen Zinsen. Gold zahlt keine. Wer Sicherheit sucht, nimmt lieber die Variante, die nebenbei noch etwas einbringt.

Dazu kommt ein zweiter Effekt. Wer an der Börse Verluste macht, braucht oft schnell Bargeld, etwa wenn er Aktien auf Pump gekauft hat und nachzahlen muss. Dann verkauft er, was sich schnell verkaufen lässt, und Gold gehört dazu. Deshalb kann Gold gerade in unruhigen Zeiten unter Druck geraten, obwohl es als Schutz gilt. Weil so viele Anleger Staatsanleihen kauften, sanken deren Renditen seit Mitte Oktober. Normalerweise hilft das Gold. Diese Woche wog es weniger als der Bedarf an Bargeld und die Sorge vor höheren Zinsen.

Teures Öl, teure Zinsen

Bleibt die Frage, warum Gold nicht wenigstens als Schutz vor Inflation gefragt war. Die Mechanik kennen Sie aus der Vorwoche: Höhere Teuerung macht höhere Zinsen wahrscheinlicher, und höhere Zinsen belasten Gold. Diese Woche kam die Teuerung vom Öl. Am Freitagabend kostete ein Barrel (etwa 159 Liter) der Sorte Brent 116,55 US-Dollar, der Preis für Erdgas in den USA stieg an einem Tag um 9,55 Prozent.

Teures Öl macht Heizen, Tanken und Transport teurer. Das treibt die Teuerung, und an den Märkten wächst die Sorge, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) mit höheren Zinsen gegensteuern. Genau diese Sorge drückte Gold am Donnerstag um 2,58 Prozent.

Fazit und Ausblick auf KW 44

Gold beendete die Woche mit einem Minus von 4,05 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche. Es ist das zweite Wochenminus in Folge und das vierte in fünf Wochen. Beide Marken nach unten sind gefallen, zuerst die 131 USD/g, dann die 4.000 Dollar je Feinunze. Gegenüber dem Hoch der letzten 52 Wochen bei 179,10 USD/g hat Gold damit rund 28 Prozent verloren.

Die kommende Woche bringt gleich zwei Entscheidungen über die Zinsen. Am Mittwoch, 28.10., gibt die Fed um 19:00 Uhr ihren Entscheid bekannt, am Donnerstag, 29.10., folgt um 14:15 Uhr die EZB. Erwartet wird bei beiden, dass die Zinsen bleiben, wo sie sind: 4,00 Prozent in den USA, 2,65 Prozent in der Eurozone. Für Gold zählt vor allem, was die beiden Notenbanken zu den hohen Preisen für Energie sagen. Gold schloss genau an der Marke von 4.000 Dollar je Feinunze (128,60 USD/g). Ob es sie zurückerobert, ist die erste Frage der neuen Woche. Nach unten liegt das Tief der letzten 52 Wochen bei 124,97 USD/g.

Quelle: Deutsche Börse (XETRA-GOLD), Forex Factory Economic Calendar, dpa-AFX
Stand: 23.10.2026, 22:00 Uhr (Schlusskurs final) | ALLE PREISE IN US-DOLLAR

Text: Ishy Bazooka für Goldbrief | Stand: Oktober 2026

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