Goldpreis KW 39/2026 – Die Zinsen steigen weltweit: Wie viel verträgt der Goldpreis?
Hohe Zinsen sind Gift für den Goldpreis, denn Gold selbst wirft keine Zinsen ab. Und diese Woche stiegen die Zinsen weltweit: Wer Staaten Geld leiht, verlangt dafür deutlich mehr als noch vor Kurzem. In den USA sind es so hohe Zinsen wie seit 2007 nicht mehr, in Japan wie seit rund 30 Jahren nicht, und auch in Europa zogen sie an. Dahinter stecken zwei Sorgen: kurzfristig die vor mehr Inflation und weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, langfristig die vor den wachsenden Schulden vieler Staaten.
Am Mittwoch zeigte sich das besonders deutlich: Neue Daten belegten, dass die US-Wirtschaft im September so schnell wuchs wie seit über fünf Jahren nicht mehr, und der Ölpreis kletterte kräftig. Beides kann die Inflation weiter anheizen. Der Goldpreis verlor an diesem Tag 1,84 Prozent und fand bis Freitag keinen Weg zurück. Im Fazit der Vorwoche hatten wir gefragt, ob höhere Zinsen wieder stärker auf den Goldpreis drücken. Diese Woche lieferte die Antwort.
ALLE PREISE IN US-DOLLAR.
TL;DR – Die Woche in Zahlen
- Wochenhoch: 140,59 USD/g (Montag, 21.09.)
- Wochentief: 136,47 USD/g (Donnerstag, 24.09.)
- Schlusskurs Freitag: 137,98 USD/g
- Wochenveränderung: -2,75 USD/g (-1,95 %)
- Wichtigstes Ereignis: Am Mittwoch sprang die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,11 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Gold verlor am selben Tag 1,84 Prozent.
Preisentwicklung im Detail
| Tag | Datum | Schlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Montag | 21.09.2026 | 139,72 USD/g | -0,72 % |
| Dienstag | 22.09.2026 | 140,33 USD/g | +0,44 % |
| Mittwoch | 23.09.2026 | 137,75 USD/g | -1,84 % |
| Donnerstag | 24.09.2026 | 137,39 USD/g | -0,26 % |
| Freitag | 25.09.2026 | 137,98 USD/g | +0,43 % |
Montag, 21.09. – 139,72 USD/g (-0,72 %)
Nach dem Hoch der Vorwoche von 141,44 USD/g schaffte der Goldpreis keinen neuen Anlauf. Die Marke von rund 141 USD/g erwies sich als Decke, Anlegerinnen und Anleger nahmen Gewinne mit. Neue Wirtschaftsdaten, die den Kurs bewegt hätten, gab es am Montag kaum.
Dienstag, 22.09. – 140,33 USD/g (+0,44 %)
Gleich mehrere Mitglieder der Fed äußerten sich am Dienstag öffentlich. Der Markt wartete auf Hinweise, wie es mit den Zinsen weitergeht, die Renditen blieben kaum verändert. Der Goldpreis nutzte die Ruhe vor den Daten am Mittwoch für eine leichte Erholung.
Mittwoch, 23.09. – 137,75 USD/g (-1,84 %)
Der schwächste Tag der Woche. Überraschend starke Zahlen zur US-Wirtschaft trieben die Zinsen auf US-Staatsanleihen nach oben, der Goldpreis gab deutlich nach. Mehr dazu weiter unten.
Donnerstag, 24.09. – 137,39 USD/g (-0,26 %)
Die Zinsen stiegen weiter, der Goldpreis fiel am Donnerstag auf das Tief der Woche. Zum Handelsschluss konnte er sich leicht davon lösen.
Freitag, 25.09. – 137,98 USD/g (+0,43 %)
Eine wilde Fahrt: Gegen Mittag sprang der Goldpreis kurzzeitig auf 138,75 USD/g, am Nachmittag fiel er bis auf 136,84 USD/g. Einen eindeutigen Auslöser für den Sprung gab es nicht. Um 16:00 Uhr zeigte eine Umfrage der Universität Michigan, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA für das kommende Jahr weiterhin mit 4,6 Prozent Inflation rechnen. Bis zum Abend erholte sich der Kurs und schloss mit einem leichten Plus.
Wochenhoch und Wochentief
Wochenhoch: 140,59 USD/g am Montag
Das Wochenhoch fiel gleich auf den ersten Handelstag. Es lag knapp unter dem Hoch der Vorwoche von 141,44 USD/g, an dem der Goldpreis schon damals umgedreht hatte.
Wochentief: 136,47 USD/g am Donnerstag
Das Wochentief lag am Donnerstag, als die Zinsen auf US-Staatsanleihen ihren höchsten Stand seit fast 20 Jahren erreichten.
Mittwoch: Starke Daten, teures Öl
Am Mittwoch um 15:45 Uhr erschien in den USA die Schnellschätzung des Einkaufsmanagerindex (EMI). Dafür werden Einkaufsleiterinnen und Einkaufsleiter großer Unternehmen befragt, der Index zeigt früh, wie gut die Wirtschaft läuft. Für die Industrie lag der EMI bei 57,0, erwartet waren 53,6. Für Dienstleistungen lag er bei 58,7 statt der erwarteten 55,8. Die US-Wirtschaft wuchs damit so schnell wie seit Juli 2021 nicht mehr. Gleichzeitig stieg der Ölpreis: Brent, der internationale Referenzpreis für Öl (so wie der DAX für Aktien), kletterte bis Donnerstag auf über 107 US-Dollar je Barrel, also je etwa 159 Liter.
Starke Wirtschaft plus teure Energie heißt: Die Preise könnten weiter steigen. Und gegen steigende Preise setzt die US-Notenbank Fed höhere Zinsen ein. Genau darauf begannen Anlegerinnen und Anleger am Mittwoch zu wetten.
Das zeigte sich sofort bei den Staatsanleihen. Wenn Staaten Geld brauchen, leihen sie es sich bei Anlegerinnen und Anlegern, indem sie Anleihen ausgeben, also verzinste Schuldscheine. Der Zinssatz, den ein Staat dafür zahlen muss, heißt Anleiherendite. Anders als den Leitzins legt sie nicht die Fed fest, sie entsteht am Markt. Steigt sie, werden neue Schulden für Staaten teurer, und für Anlegerinnen und Anleger wird das Verleihen attraktiver.
Warum stieg sie diese Woche? Wer einem Staat für zehn Jahre Geld leiht, rechnet sich aus, was in dieser Zeit passiert. Deuten starke Daten und teures Öl auf mehr Inflation und weitere Zinserhöhungen hin, will niemand sein Geld zu den alten Konditionen verleihen. Die Inflation würde einen Teil davon auffressen, und bald gäbe es woanders mehr. Also muss der Staat mehr bieten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang am Mittwoch auf 5,11 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Wie direkt das im Alltag ankommt, zeigt ein Blick auf den US-Immobilienmarkt: Der durchschnittliche Zins für einen Hauskredit mit 30 Jahren Laufzeit stieg am selben Tag auf 7,26 Prozent.
Für Gold ist das eine schlechte Nachricht. Gold wirft keine Zinsen ab. Wer eine sichere US-Staatsanleihe mit über fünf Prozent Zinsen haben kann, überlegt zweimal, ob er stattdessen Gold kauft. Der Goldpreis verlor am Mittwoch 1,84 Prozent.
Donnerstag: Die Zinsen steigen weltweit
Am Donnerstag ging es weiter. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 5,22 Prozent, die der dreißigjährigen auf 5,50 Prozent, den höchsten Wert seit 2004. Auch der US-Dollar legte zu. Für Käuferinnen und Käufer außerhalb der USA wird Gold dadurch teurer, was die Nachfrage zusätzlich bremst.
Der Druck blieb nicht auf die USA beschränkt. In Japan erreichte die Rendite fünfjähriger Staatsanleihen ein Rekordhoch, die der zehnjährigen stieg auf den höchsten Stand seit 1996. Auch in Europa zogen die Renditen an. Bei einer Auktion 30-jähriger deutscher Bundesanleihen musste der Bund am Mittwoch 3,80 Prozent bieten. Zum Vergleich: Vor wenigen Jahren lagen die Zinsen für Bundesanleihen zeitweise unter null. Damals zahlten Anlegerinnen und Anleger dem deutschen Staat praktisch Geld dafür, dass sie ihm etwas leihen durften. Dazu kamen robuste Zahlen vom US-Arbeitsmarkt: Nur 197.000 Menschen stellten einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe, erwartet waren 201.000. Der Goldpreis fiel auf das Wochentief von 136,47 USD/g.
Für etwas Entspannung sorgte der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington. Die US-Regierung verkündete eine Atempause im Handelsstreit mit China. Weniger Streit bedeutet weniger Bedarf an einem sicheren Hafen wie Gold, für den Kurs spielte das aber nur eine Nebenrolle.
Fazit und Ausblick auf KW 40
Die Woche endete mit einem Minus von 1,95 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche. Die Frage aus dem letzten Fazit ist damit beantwortet: Die höheren Zinsen drückten spürbar auf den Goldpreis. Bemerkenswert ist allerdings, wie wenig er nachgab. Die Zinsen stehen auf dem Niveau von 2007, und Gold verlor trotzdem keine zwei Prozent. Gemessen am Zinsanstieg hielt sich der Goldpreis also erstaunlich gut.
In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf zwei Marken. Nach unten liegt eine wichtige Unterstützung bei rund 137 USD/g, also dort, wo der Goldpreis in den vergangenen Wochen mehrfach gedreht hat. Nach oben bleibt die Marke von rund 141 USD/g die Decke, an der er in KW 38 abprallte. Solange die Zinsen so hoch bleiben, bleibt zu beobachten, ob der Goldpreis den Boden bei 137 USD/g hält oder ob er doch noch einmal Anlauf auf die Marke von 141 USD/g nimmt.
Quelle: Deutsche Börse (XETRA-GOLD), Forex Factory Economic Calendar, dpa-AFX, CNBC, Reuters
Stand: 25.09.2026, 22:00 Uhr (Schlusskurs final) | ALLE PREISE IN US-DOLLAR
Weiterführende Artikel
Text: Ishy Bazooka für Goldbrief | Stand: September 2026
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.