Goldpreis KW 35/2026 – Eine Rede reißt die Woche in den Keller
Vergangene Woche reichten bloße Drohungen gegen den Oman und den Iran, um den Goldpreis auf ein Dreimonatshoch zu treiben. Diese Woche genügte stattdessen ein einziger Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole, um die komplette Wochenbilanz ins Minus zu drehen. Wie eine einzelne Rede mehr Wirkung entfaltete als echte Gewalt am Golf, klärt dieser Rückblick.
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TL;DR – Die Woche in Zahlen
- Wochenhoch: 150,45 USD/g (Montag, 24.08.)
- Wochentief: 142,95 USD/g (Freitag, 28.08.)
- Schlusskurs Freitag: 143,34 USD/g
- Wochenveränderung: -5,10 USD/g (-3,44 %)
- Wichtigstes Ereignis: Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte in Jackson Hole eine baldige Zinserhöhung. Zwei neue Tankerangriffe in der Straße von Hormus hatten den Kurs zuvor kaum bewegt.
Die Preisentwicklung im Detail
Die Woche begann mit einem neuen Dreimonatshoch, blieb bis Donnerstag nahezu auf der Stelle und brach am Freitag innerhalb weniger Stunden ein.
| Tag | Datum | Schlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Montag | 24.08.2026 | 149,54 USD/g | +0,74 % |
| Dienstag | 25.08.2026 | 149,95 USD/g | +0,27 % |
| Mittwoch | 26.08.2026 | 147,63 USD/g | -1,55 % |
| Donnerstag | 27.08.2026 | 148,15 USD/g | +0,35 % |
| Freitag | 28.08.2026 | 143,34 USD/g | -3,25 % |
Montag, 24.08. – 149,54 USD/g (+0,74 %)
Gold eröffnete bei 149,26 USD/g und schloss bei 149,54 USD/g, dem höchsten Stand seit Mai. Am Nachmittag berichteten mehrere Agenturen, die USA planten neue Schritte, um dem Iran zentrale Einnahmequellen zu entziehen, eine Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks aus der Vorwoche. Gleichzeitig kletterte der europäische Gaspreis erneut deutlich, während der Ölpreis nach seiner starken Vorwoche etwas nachgab.
Dienstag, 25.08. – 149,95 USD/g (+0,27 %)
Gold eröffnete bei 149,30 USD/g und schloss kaum verändert bei 149,95 USD/g. Am frühen Morgen griffen unbekannte Angreifer erneut ein Schiff in der Straße von Hormus an, der zweite reale Vorfall innerhalb weniger Wochen. Der Kurs reagierte darauf so gut wie gar nicht. US-Präsident Trump drohte am Nachmittag zusätzlich, iranische Schiffe zur Verlegung von Minen zu zerstören, auch das blieb ohne spürbaren Effekt. Belastend wirkte dagegen schwache US-Stimmung: Das Verbrauchervertrauen (ein monatlicher Indikator für die Kauflaune privater Haushalte) fiel auf 89,4 Punkte und verfehlte die erwarteten 90,3 deutlich, während der Ölpreis stark nachgab und Brent-Rohöl unter 90 US-Dollar je Barrel (etwa 159 Liter) fiel.
Mittwoch, 26.08. – 147,63 USD/g (-1,55 %)
Gold eröffnete bei 149,28 USD/g und schloss bei 147,63 USD/g, dem größten Tagesverlust der Woche. Iran und Oman einigten sich am Morgen erneut auf gemeinsame Regeln für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus, ein klares Entspannungssignal, das den Ölpreis weiter drückte. Aus den USA kamen zudem robuste Konjunkturdaten: Einkommen und Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen stärker als erwartet, und der Preisindex für das US-Bruttoinlandsprodukt (ein breites Maß für die Inflation der Gesamtwirtschaft) fiel mit 6,4 Prozent höher aus als die erwarteten 6,2 Prozent. Diplomatische Entspannung am Golf und robuste US-Zahlen zusammen reichten aus, um den Kurs deutlich zurückzudrücken, ein erster Vorgeschmack auf den Rückschlag vom Freitag.
Donnerstag, 27.08. – 148,15 USD/g (+0,35 %)
Gold eröffnete bei 148,14 USD/g und schloss kaum verändert bei 148,15 USD/g. Am Morgen wurde erneut ein Tanker in der Straße von Hormus angegriffen, der dritte reale Vorfall der Woche, wieder ohne spürbare Kursreaktion. Katars Regierungschef reiste zu Vermittlungsgesprächen in den Iran, und Deutschland und die Türkei kündigten eine gemeinsame Initiative für eine Konferenz zum Kriegsende an. Der erste Tag des Jackson-Hole-Symposiums der US-Notenbank verlief zunächst ohne größere Marktbewegung, während sich die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 203.000 niedriger als erwartet zeigten, ein Signal für einen weiter robusten Arbeitsmarkt.
Freitag, 28.08. – 143,34 USD/g (-3,25 %)
Der Freitag begann zunächst ruhig, mittags bezeichnete die Deutsche Börse den Goldpreis noch als stabil bei rund 4.600 US-Dollar je Feinunze. Am Nachmittag kippte die Stimmung dann abrupt: Fed-Chef Kevin Warsh sprach beim internationalen Notenbanktreffen in Jackson Hole mit ungewöhnlich deutlichen Worten über die weiterhin zu hohe Inflation in den USA und signalisierte die Bereitschaft zu einer strafferen Geldpolitik. Investorinnen und Investoren stuften eine Zinserhöhung im September danach an den Terminmärkten als deutlich wahrscheinlicher ein als zuvor. Gold schloss bei 143,34 USD/g, ein Tagesverlust von 3,25 Prozent und der stärkste Einbruch der Woche.
Wochenhoch und Wochentief
Wochenhoch: 150,45 USD/g am Montag
Das Wochenhoch fiel bereits auf den Montag, den ersten Handelstag der Woche. Berichte über verschärfte US-Maßnahmen gegen die Einnahmequellen des Irans trafen auf einen weiter steigenden europäischen Gaspreis, gemeinsam trieben beide Faktoren Gold auf den höchsten Stand seit Mai.
Wochentief: 142,95 USD/g am Freitag
Das Wochentief entstand erst am letzten Handelstag, unmittelbar im Anschluss an Warshs Rede in Jackson Hole. Innerhalb weniger Stunden fiel der Kurs von einem stabilen Niveau um 4.600 US-Dollar je Feinunze auf sein Wochentief, ein direkter Effekt der neuen Zinserwartung.
Die Rede, die die Woche kippte
Ein wesentlicher Treiber der Gold-Rally im gesamten August waren überraschende Pläne der US-Regierung, eigene Anleihekäufe auszuweiten, um die Renditen und damit die Kosten für den Schuldendienst zu senken. Sinkende Anleiherenditen machen Gold, das selbst keine Zinsen zahlt, im Vergleich attraktiver. Dieser Mechanismus trug bereits in KW 34 dazu bei, dass Gold trotz der höchsten US-Anleihezinsen seit 19 Jahren stieg.
Warshs Auftritt am Freitag drehte genau diese Erwartung um. Der Fed-Chef bezeichnete die US-Inflation als zu hoch und erklärte, eine leichte Konjunkturabkühlung ändere nichts an der grundlegenden Lage. Als einen Grund für die hartnäckige Teuerung nannte er ausdrücklich den Iran-Krieg und die daraus resultierende Energiekrise. Aus Sicht der Anlegerinnen und Anleger rückte eine Leitzinserhöhung im September damit deutlich näher, was Gold sofort unattraktiver machte.
Die Rede kostete den Kurs binnen weniger Stunden fast fünf Prozent seines Wochengewinns. Zur Einordnung: Für den gesamten August steht Gold trotz des Rückschlags noch mit rund 12 Prozent im Plus, das Rekordhoch von knapp 5.600 USD/oz aus dem Januar bleibt aber weiterhin weit entfernt.
Zwei echte Tankerangriffe, drei diplomatische Vorstöße – kaum eine Reaktion
Anders als in den Vorwochen war KW 35 keine Woche der bloßen Drohungen, sondern der tatsächlichen Ereignisse. Gleich zweimal wurden Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen, am Dienstag und erneut am Donnerstag. Beide Vorfälle blieben ohne erkennbare Kursreaktion.
Parallel dazu häuften sich diplomatische Signale. Iran und Oman einigten sich am Mittwoch auf gemeinsame Regeln für die Schifffahrt durch die Meerenge. Katars Regierungschef reiste am Donnerstag zu Vermittlungsgesprächen in den Iran. Deutschland und die Türkei kündigten am selben Tag eine gemeinsame Initiative für eine Konferenz zum Kriegsende an, und Bundesaußenminister Klingbeil forderte die USA öffentlich auf, den Krieg gegen den Iran zu beenden. Der Iran selbst zeigte sich am Freitag unbeeindruckt vom wirtschaftlichen Druck der USA: Irans Außenminister erklärte, der Druck funktioniere nicht.
Sechs Monate nach Kriegsbeginn zeigt sich damit ein Muster, das sich bereits in KW 34 andeutete und diese Woche noch deutlicher wurde: Sowohl reale Angriffe als auch handfeste diplomatische Fortschritte bewegten den Goldpreis kaum noch. Eine einzelne Rede eines Notenbankers wog an den Märkten am Ende schwerer als sechs Monate Krieg am Golf.
Fazit und Ausblick auf KW 36
Kalenderwoche 35 verlief bis Donnerstag praktisch seitwärts, Iran-bezogene Nachrichten, ob Angriffe oder Diplomatie, bewegten den Kurs kaum. Erst Fed-Chef Kevin Warsh drehte am Freitag mit einer einzigen Rede in Jackson Hole die gesamte Wochenbilanz ins Minus. Gold schloss bei 143,34 USD/g, ein Wochenverlust von 3,44 Prozent.
Kalenderwoche 36 startet mit dem zweiten und dritten Tag des Jackson-Hole-Symposiums sowie den G20-Treffen am Wochenende. Bestätigen weitere Fed-Vertreter Warshs Kurs, dürfte der Druck auf Gold anhalten. Genauso offen ist, ob die diplomatischen Vorstöße der Woche, allen voran die deutsch-türkische Initiative und Katars Vermittlung, tatsächlich zu einer Deeskalation am Golf führen oder wie schon in den Vorwochen folgenlos bleiben.
Quelle: Deutsche Börse (XETRA-GOLD), Forex Factory Economic Calendar, dpa-AFX
Stand: 28.08.2026, 22:00 Uhr (Schlusskurs final) | ALLE PREISE IN US-DOLLAR
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Text: Ishy Bazooka für Goldbrief | Stand: August 2026
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.