Goldpreis KW 34/2026 – Wenn Drohungen mehr bewegen als Bomben
Vergangene Woche wurden noch Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus geflogen, aber Gold rührte sich kaum. Diese Woche gab es keinen einzigen neuen Angriff, dafür drohte US-Präsident Trump erst dem Oman mit Bombardierung, dann dem Iran mit einem Wirtschaftskrieg. Der Goldpreis reagierte daraufhin deutlich stärker: Er stieg in Kalenderwoche 34 um 5,55 Prozent auf ein Dreimonatshoch. Wie bloße Worte mehr bewegen als der Einsatz von Waffen zuvor, klärt dieser Rückblick.
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TL;DR – Die Woche in Zahlen
- Wochenhoch: 148,90 USD/g (Freitag, 21.08.)
- Wochentief: 139,37 USD/g (Mittwoch, 19.08.)
- Schlusskurs Freitag: 148,44 USD/g
- Wochenveränderung: +7,80 USD/g (+5,55 %)
- Wichtigstes Ereignis: Trump drohte erst dem Oman mit Bombardierung, dann dem Iran mit einem Wirtschaftskrieg. Neue Angriffe blieben indes, wie noch in der Vorwoche, komplett aus.
Die Preisentwicklung im Detail
Die Woche begann mit einer neuen Drohung gegen den Oman, brachte am Dienstag den einzigen Rücksetzer und am Mittwoch den stärksten Tagesgewinn. Zum Handelsschluss am Freitag stand ein Dreimonatshoch.
| Tag | Datum | Schlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Montag | 17.08.2026 | 142,06 USD/g | +1,01 % |
| Dienstag | 18.08.2026 | 139,62 USD/g | -1,72 % |
| Mittwoch | 19.08.2026 | 144,98 USD/g | +3,84 % |
| Donnerstag | 20.08.2026 | 145,63 USD/g | +0,45 % |
| Freitag | 21.08.2026 | 148,44 USD/g | +1,93 % |
Montag, 17.08. – 142,06 USD/g (+1,01 %)
Gold startete bei 141,30 USD/g in die Woche und schloss bei 142,06 USD/g. Am Nachmittag drohte US-Präsident Trump dem Oman mit einer Bombardierung, eine neue Zuspitzung, denn die Drohungen der vergangenen Wochen richteten sich bislang vor allem gegen den Iran. Gleichzeitig rang der US-Unterhändler Kushner bei einem Treffen mit Netanjahu weiter um eine Waffenruhe für Gaza, ohne greifbares Ergebnis. Der Ölpreis baute im Tagesverlauf seine Gewinne aus, aus Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Das stützte auch Gold als Absicherung gegen genau dieses Risiko.
Dienstag, 18.08. – 139,62 USD/g (-1,72 %)
Nach dem Kursgewinn vom Montag nahmen viele Anleger Gewinne mit. Gold eröffnete bei 141,18 USD/g und schloss bei 139,62 USD/g. Aus Teheran hieß es tagsüber, die Öffnung der Straße von Hormus hänge allein von den USA ab, während Trump am Nachmittag erklärte, es gebe derzeit keine Gespräche mit dem Iran. Der Ölpreis kletterte trotzdem weiter, Brent-Rohöl (der internationale Referenzpreis, ähnlich wie der DAX für deutsche Aktien) stieg über 91 US-Dollar je Barrel (etwa 159 Liter). Erst kurz vor und nach dem europäischen Handelsschluss meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate einen Raketenangriff aus dem Jemen mit drei Toten laut ersten Berichten. Die Nachricht kam zu spät, um den Kurs am Dienstag noch zu bewegen.
Mittwoch, 19.08. – 144,98 USD/g (+3,84 %)
Der Mittwoch brachte den stärksten Anstieg der Woche. Gold eröffnete bei 139,37 USD/g, exakt dem Tagestief, und schloss bei 144,98 USD/g, dem höchsten Stand seit Anfang Juni. Der Iran bestritt am Morgen jede Beteiligung am Angriff auf die Emirate vom Vortag, die Lage am Golf blieb trotzdem angespannt. Den eigentlichen Schub lieferte aber der breite Rohstoffmarkt: Brent-Rohöl zog weiter über 90 US-Dollar an, und der europäische Gaspreis stieg auf den höchsten Stand seit März, mitverursacht durch niedrige Gasspeicherstände und Niedrigwasser auf dem Rhein, das selbst Schwertransporte per Schiff erschwerte. Wenn gleich mehrere Rohstoffe auf einmal teurer werden, greifen Anlegerinnen und Anleger erfahrungsgemäß auch verstärkt zu Gold.
Donnerstag, 20.08. – 145,63 USD/g (+0,45 %)
Der Donnerstag war der lauteste Tag der Woche, der Kurs bewegte sich aber kaum. Gold eröffnete bei 144,14 USD/g und schloss bei 145,63 USD/g. Bereits am frühen Morgen drohte Trump dem Iran mehrfach mit einem Wirtschaftskrieg, iranische Medien reagierten gelassen und nannten die Drohung nichts Neues. Am Nachmittag doppelte US-Finanzminister Bessent nach und forderte von den Verbündeten der USA eine Entscheidung im Umgang mit dem Iran. Öl- und Gaspreise legten wegen der Drohungen weiter zu, während aus den USA überraschend starke Daten kamen: Der Philadelphia-Fed-Index (ein regionaler Frühindikator für die Industrie im Nordosten der USA) sprang auf 47,4 Punkte, weit über den erwarteten 24,1. Starke US-Wirtschaftsdaten dämpfen für gewöhnlich die Nachfrage nach Gold. Das erklärt, warum der Kurs trotz der Drohkulisse nur moderat zulegte.
Freitag, 21.08. – 148,44 USD/g (+1,93 %)
Am Freitag kletterte Gold von 146,37 USD/g Eröffnung auf 148,44 USD/g zum Handelsschluss, ein Dreimonatshoch. Der europäische Gaspreis setzte seinen Höhenflug fort, der Ölpreis hielt sich nach den Gewinnen der Vorwoche auf hohem Niveau. Aus Europa kamen zudem schwache Konjunktursignale: Die Schnellschätzung des Einkaufsmanagerindex (ein monatlicher Frühindikator für die Wirtschaftsleistung) fiel für den Dienstleistungssektor in Deutschland und Frankreich unter die Marke von 50 Punkten, ein Signal für eine schrumpfende Wirtschaft. Nach einer Woche voller Drohungen ohne neue echte Angriffe und einer Serie schwacher Daten aus Europa summierte sich das zum stärksten Tagesplus der Woche.
Wochenhoch und Wochentief
Wochenhoch: 148,90 USD/g am Freitag
Das Wochenhoch wurde am Freitagvormittag erreicht, nachdem sich Öl- und Gaspreise bereits die ganze Woche über nach oben bewegt hatten und aus Europa schwache Konjunkturdaten hinzukamen: Die Schnellschätzung des Einkaufsmanagerindex fiel für den Dienstleistungssektor in Deutschland und Frankreich unter die Marke von 50 Punkten. Diese Kombination aus teuren Rohstoffen und wackliger Konjunktur trieb Gold kurzzeitig über die Marke von 148,90 USD/g.
Zum Handelsschluss gab der Kurs leicht nach und schloss bei 148,44 USD/g, dennoch der höchste Freitagsschluss seit drei Monaten.
Wochentief: 139,37 USD/g am Mittwoch
Das Wochentief gab es ausgerechnet am Mittwochmorgen, mitten in einer eigentlich weiterhin angespannten Woche. Nach dem Kursrückgang vom Dienstag, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen, eröffnete Gold direkt auf diesem Niveau, kurz bevor der Iran am selben Morgen jede Beteiligung am Angriff auf die Emirate vom Vortag bestritt.
Die Erholung kam dann rasant: Im Tagesverlauf trieb der breite Anstieg bei Öl und Gas den Kurs auf 144,98 USD/g zum Handelsschluss, ein Sprung von 3,84 Prozent innerhalb eines einzigen Tages.
Drohungen gegen Oman und Iran – wenn Worte mehr wiegen als Waffen
Die Drohkulisse in dieser Woche kam in zwei Wellen. Am Montag drohte Trump zunächst dem Oman mit einer Bombardierung, ein neues Ziel, nachdem sich die Drohungen der vergangenen Wochen fast ausschließlich gegen den Iran gerichtet hatten. Ab Donnerstag wechselte der Ton: Trump drohte dem Iran mehrfach mit einem Wirtschaftskrieg, US-Finanzminister Bessent forderte von den Verbündeten der USA eine klare Entscheidung im Umgang mit Teheran, und Berichte über einen zusätzlichen US-Flugzeugträger in der Region machten die Runde. Ein neuer Angriff auf ein Schiff oder eine Ölanlage blieb dabei aus, anders als in der Vorwoche mit dem Tankerbeschuss und dem Hubschraubereinsatz.
Ganz ohne echte Gewalt blieb die Woche trotzdem nicht. Am Dienstagabend meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate einen Raketenangriff aus dem Jemen, nach ersten Berichten mit drei Toten. Der Iran bestritt bereits am Mittwochmorgen jede Beteiligung. Weil die Meldung erst kurz vor und nach dem europäischen Handelsschluss eintraf, konnte sie sich im Goldkurs an diesem Tag noch gar nicht niederschlagen.
Auffällig war vor allem der Donnerstag, der Tag mit den meisten Schlagzeilen der Woche über neue Drohungen, aber mit 0,45 Prozent auch der Tag mit dem kleinsten Kursgewinn. Den eigentlichen Schub für Gold lieferte stattdessen der breite Anstieg bei Öl und Gas am Mittwoch. Das bestätigt einen Trend, der sich schon in der Vorwoche andeutete: Wiederholte Drohungen ohne tatsächliche neue Angriffe verlieren an den Märkten zunehmend an Wirkung. Viele Anlegerinnen und Anleger reagieren inzwischen abgestumpfter auf einzelne Wortmeldungen aus Washington und Teheran.
Warum hohe Zinsen Gold diesmal nicht bremsen
Parallel zur Drohkulisse passierte in dieser Woche noch etwas anderes, das in den Standardquellen für diesen Artikel gar nicht auftaucht, aber zu wichtig ist, um es auszulassen: Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe (also der Zins, den der amerikanische Staat für einen Kredit über 30 Jahre zahlen muss) stieg auf 5,33 Prozent, den höchsten Stand seit 19 Jahren.
Der Grund ist simpel: Der US-Staat muss derzeit deutlich mehr neue Anleihen verkaufen als üblich, unter anderem wegen des hohen Haushaltsdefizits. Mehr Angebot bei gleichbleibender Nachfrage bedeutet einen höheren Zins, sonst findet der Staat schlicht nicht genug Käufer.
Eigentlich müsste das dem Goldpreis schaden. Wer eine Staatsanleihe kauft, bekommt plötzlich über fünf Prozent Zinsen im Jahr, Gold zahlt bekanntlich gar keine. Trotzdem blieb Gold in dieser Woche gefragt und stieg auf ein Dreimonatshoch. Beide Anlageformen legten also gleichzeitig zu, ein Muster, das eigentlich selten vorkommt.
Wer überlegt, eine alte Kette, Zahngold oder Bruchgold zu verkaufen, für den ist das eine gute Nachricht: Trotz der plötzlich attraktiven Zinsen auf Staatsanleihen blieb die Nachfrage nach Gold ungebrochen hoch.
Fazit und Ausblick auf KW 35
Kalenderwoche 34 zeigte fast das Gegenteil der Vorwoche. Ohne einen einzigen neuen Angriff auf ein Schiff oder eine Ölanlage stieg Gold um 5,55 Prozent auf 148,44 USD/g, ein Dreimonatshoch. Reine Drohungen, gegen den Oman und gegen den Iran, reichten diesmal aus, dort wo tatsächliche Angriffe in der Vorwoche kaum etwas bewegten. Dazu kam eine zweite, unabhängige Kraft: Gold hielt sich sogar gegen die höchsten US-Anleihezinsen seit 19 Jahren.
Kalenderwoche 35 startet mit zwei offenen Fragen. Bleibt es bei Trumps Wirtschaftskriegs-Rhetorik gegen den Iran, oder folgen tatsächlich neue Maßnahmen? Und klettert die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe weiter in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 6 Prozent, die einige Wall-Street-Analysten bereits als Risiko für die Aktienmärkte im Blick haben? Beide Antworten dürften auch den Goldpreis in der kommenden Woche mitbestimmen.
Quelle: Deutsche Börse (XETRA-GOLD), Forex Factory Economic Calendar
Stand: 22.08.2026, 14:00 Uhr | ALLE PREISE IN US-DOLLAR
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Text: Ishy Bazooka für Goldbrief | Stand: August 2026
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.