Goldpreis KW 30/2026 – Wenn der Krieg den Kurs kurz treibt

Wochenlang bewegte der Krieg am Golf den Goldpreis kaum, egal wie viele Angriffe es gab. In KW30 drehte sich das kurz: Ein erneuter Tankerangriff in der Straße von Hormus und getroffene Kraftwerke in Kuwait schickten den Kurs diesmal auf ein Wochenhoch. Dann kam am Donnerstag eine einzige Zahl vom US-Arbeitsmarkt, und ein Teil des Wochengewinns stand plötzlich wieder infrage. Am Ende blieb trotzdem ein Plus stehen, das erste nach zwei Verlustwochen in Folge. Warum ausgerechnet der Krieg diesmal kurz zählte und was das mit Preisen an deutschen Tankstellen zu tun hat…

ALLE PREISE IN US-DOLLAR.

TL;DR – Die Woche in Zahlen

  • KW29-Schluss (Referenz): 129,09 USD/g (Fr 17.07.2026, 4.015,1905 USD/oz)
  • Wochenhoch: 133,96 USD/g (Mittwoch, 22.07., 4.166,5434 USD/oz)
  • Wochentief: 128,59 USD/g (Montag, 20.07., 3.999,4491 USD/oz)
  • Kurs am Freitag (Stand 18:45 Uhr, finaler XETRA-Schluss steht erst nach 22:00 Uhr fest): 130,74 USD/g (4.066,5644 USD/oz)
  • Wochenveränderung (vorläufig): +1,65 USD/g (+1,28 %) gegenüber KW29
  • Wichtigstes Ereignis: Ein erneuter Tankerangriff in der Straße von Hormus und getroffene Kraftwerke in Kuwait trieben den Kurs Dienstag und Mittwoch auf sein Wochenhoch. Am Donnerstag drückten überraschend niedrige US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (187.000 statt erwarteter 211.000) den Kurs um fast zwei Prozent zurück.
  • Geldpolitik: Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 2,40 Prozent.
  • Geopolitik: Der Iran-Krieg eskalierte weiter: neue US-Angriffswellen, Drohungen gegen Brücken und Kraftwerke, ein weiterer Tankerangriff, Warnungen der Vereinten Nationen vor isolierten Seeleuten in der Straße von Hormus. Am Donnerstagabend erklärten die USA ihre jüngste Angriffswelle für beendet.
  • Deutschland: Sprit nähert sich einem Allzeithoch, Diesel und Benzin wurden im Wochenverlauf erneut teurer. Neue US-Zölle auf Einfuhren aus der Europäischen Union traten am Freitag in Kraft.

Die Preisentwicklung im Detail

Wer nur die Schlagzeilen über den Kriegs in der Woche gelesen hat, hätte einen deutlich unruhigeren Kursverlauf erwartet. Tatsächlich bewegte sich der Goldpreis in der ersten Wochenhälfte tatsächlich diesmal „mit“ dem Krieg, ehe eine einzelne Wirtschaftszahl am Donnerstag das Bild wieder auf den Kopf stellte.

TagDatumSchlusskursVeränderung
Montag20.07.2026128,80 USD/g−0,23 %
Dienstag21.07.2026131,27 USD/g+1,92 %
Mittwoch22.07.2026132,82 USD/g+1,18 %
Donnerstag23.07.2026130,22 USD/g−1,96 %
Freitag*24.07.2026130,74 USD/g+0,40 %

Mo–Do: XETRA-GOLD-Schlusskurse (Quelle: Deutsche Börse). *Freitag: Kurs vom 24.07.2026, 18:45 Uhr, der finale Schlusskurs nach 22:00 Uhr lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768.

Montag, 20.07. – 128,80 USD/g (−0,23 %)

Der Iran-Krieg nahm über das Wochenende weiter an Fahrt auf. Nach dem Tod mehrerer US-Soldaten drohte Präsident Trump dem Iran mit Vergeltung, am Abend begann bereits die nächste US-Angriffswelle. In Kuwait heulten die Sirenen, aus Bahrain kamen ähnliche Meldungen. Wirtschaftlich blieb der Tag ruhig, aus Kanada kam eine schwächer als erwartete Inflationszahl. Trotz der Eskalation am Golf bewegte sich der Goldpreis kaum, ein Muster, das sich bereits in den vergangenen beiden Wochen gezeigt hatte.

Dienstag, 21.07. – 131,27 USD/g (+1,92 %)

Der Tag begann mit Hoffnung. Vermittler bemühten sich laut Berichten um eine neue Waffenruhe im Iran-Krieg, die Ölpreise gaben zunächst nach. Am späten Vormittag drehte die Stimmung, ein weiterer Öltanker wurde in der Straße von Hormus angegriffen, und aus Kuwait kamen Meldungen über getroffene Kraftwerke und Entsalzungsanlagen. Der Goldpreis sprang auf seinen bis dahin höchsten Stand seit einer Woche. Am Nachmittag warnte die Internationale Energieagentur (IEA) vor Druck auf die weltweite Ölversorgung.

Mittwoch, 22.07. – 132,82 USD/g (+1,18 %)

Der Goldpreis legte den zweiten Tag in Folge zu und markierte am Nachmittag sein Wochenhoch. Präsident Trump drohte mit einem Angriff auf eine Brücke oder ein Kraftwerk als Reaktion auf den Beschuss von Schiffen, der Iran drohte im Gegenzug mit Vergeltung bei Angriffen auf seine Infrastruktur. Frankreich führte erneut einen Preisdeckel für Kraftstoffe ein, ein Zeichen dafür, wie sehr die steigenden Ölpreise bereits in Europa ankommen. Fachleute warnten zudem, die Meerenge Bab al-Mandab könnte zum nächsten Nadelöhr für die Schifffahrt werden.

Donnerstag, 23.07. – 130,22 USD/g (−1,96 %)

Der stärkste Rückgang der Woche traf auf einen Tag mit zwei gegenläufigen Nachrichten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA fielen überraschend auf 187.000, erwartet worden waren 211.000, ein Zeichen für einen robusteren Arbeitsmarkt als gedacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ ihren Leitzins unterdessen unverändert bei 2,40 Prozent. Am Abend erklärten die USA ihre jüngste Angriffswelle gegen den Iran für beendet, gleichzeitig kündigte Trump an, der Iran müsse künftig für Schäden an Schiffen zahlen. Die Kombination aus robusten US-Daten und einem vorläufigen Ende der Angriffe ließ den Goldpreis deutlich nachgeben.

Freitag, 24.07. – 130,74 USD/g (+0,40 %, Stand 18:45 Uhr)

Der Handelstag war zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch nicht beendet, der finale XETRA-Schlusskurs liegt erst nach 22:00 Uhr vor. Bis zum späten Nachmittag erholte sich der Goldpreis leicht. Neue US-Zölle auf Einfuhren aus der Europäischen Union traten in Kraft, der Ölpreis blieb zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel, bevor er einen Teil der Vortagesgewinne wieder abgab. Die Vereinten Nationen warnten vor isolierten Seeleuten in der Straße von Hormus. In Deutschland näherten sich die Kraftstoffpreise derweil einem Allzeithoch.

Wochenhoch und Wochentief – Was steckt dahinter?

Wochenhoch: 133,96 USD/g am Mittwoch

Der Höchststand der Woche fiel auf den Tag, an dem sich Kriegsdrohung und Vergeltungsdrohung gegenüberstanden. Trumps Ankündigung eines möglichen Angriffs auf Brücke oder Kraftwerk traf auf Irans Drohung mit Vergeltung. Zusammen mit der Sorge um die Meerenge Bab al-Mandab trieb das Anlegerinnen und Anleger in den sicheren Hafen Gold.

Wochentief: 128,59 USD/g am Montag

Der Tiefpunkt der Woche lag ausgerechnet am Tag mit den schwersten Kriegsschlagzeilen: getötete US-Soldaten, Vergeltungsdrohungen, eine neue Angriffswelle. Der Goldpreis reagierte darauf kaum, ein Beleg dafür, dass sich Anlegerinnen und Anleger inzwischen an die Nachrichtenlage am Golf gewöhnt haben.

Der Krieg zählt wieder, kurz: Hormus und Kuwait

Nach zwei Wochen, in denen selbst schwere Eskalationsschritte den Goldpreis kaltließen, zeigte sich in KW30 kurz das gegenteilige Bild. Der erneute Angriff auf einen Öltanker in der Straße von Hormus am Dienstag traf einen wunden Punkt: Durch diese Meerenge läuft ein großer Teil der weltweiten Öllieferungen. Fast zeitgleich meldete Kuwait getroffene Kraftwerke und Entsalzungsanlagen, also Anlagen, die Meerwasser in Trinkwasser umwandeln. Beides zusammen ließ die Sorge um die Energieversorgung der Region wachsen, und Gold profitierte als sicherer Hafen.

Am Mittwoch spitzte sich die Lage weiter zu. Trump drohte mit einem Angriff auf eine Brücke oder ein Kraftwerk, sollte es weitere Angriffe auf Schiffe geben. Der Iran drohte im Gegenzug mit eigener Vergeltung, sollte seine Infrastruktur angegriffen werden. Fachleute rückten zudem eine zweite Meerenge in den Fokus: Bab al-Mandab, das Nadelöhr zwischen Rotem Meer und Golf von Aden, durch das ebenfalls ein erheblicher Teil des weltweiten Schiffsverkehrs läuft.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher im deutschsprachigen Raum bedeutete das vor allem eines: steigende Ölpreise, die sich mit Verzögerung an der Zapfsäule bemerkbar machen. Dass Frankreich in derselben Woche einen Preisdeckel für Kraftstoffe reaktivierte, zeigt, wie ernst Regierungen die Lage inzwischen nehmen.

Eine Zahl vom US-Arbeitsmarkt dreht den Kurs

Der Rückgang am Donnerstag folgte einem inzwischen vertrauten Muster aus den vergangenen Wochen: Wirtschaftsdaten schlagen Kriegsschlagzeilen. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA fielen auf 187.000, deutlich unter der Erwartung von 211.000 und auch unter dem Vormonatswert von 209.000. Weniger neue Anträge bedeuten einen robusteren Arbeitsmarkt, und ein robuster Arbeitsmarkt gibt der US-Notenbank weniger Anlass, die Zinsen bald zu senken. Sinkende Zinserwartungen wiederum schaden dem Goldpreis, weil Gold selbst keine Zinsen zahlt.

Am selben Tag beließ die Europäische Zentralbank ihren Leitzins wie erwartet bei 2,40 Prozent, ohne größere Überraschung in der anschließenden Pressekonferenz. Für Sparerinnen und Sparer im Euroraum bedeutet das vorerst: keine Änderung bei Zinsen auf Spar- und Tagesgeldkonten.

Am Abend kam ein zweiter Dämpfer für den Goldpreis hinzu, diesmal von der Kriegsfront selbst: Die USA erklärten ihre jüngste Angriffswelle gegen den Iran für beendet. Eine nachlassende Angriffsdynamik senkt kurzfristig die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold, auch wenn Trump im gleichen Atemzug ankündigte, der Iran müsse künftig für Schäden an Schiffen zahlen.

Diesel nähert sich dem Allzeithoch

Während sich der Goldpreis zwischen Krieg und Wirtschaftsdaten hin und her bewegte, spürten Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland die Folgen der Ölpreisentwicklung direkt. Die Kraftstoffpreise näherten sich im Wochenverlauf einem Allzeithoch, Diesel und Benzin wurden erneut teurer. Am Freitag kam ein weiterer Belastungsfaktor hinzu: Neue US-Zölle auf Einfuhren aus der Europäischen Union traten in Kraft, was Folgen für Warenpreise im gesamten deutschsprachigen Raum haben dürfte.

Gleichzeitig blieb die Versorgungslage am Golf angespannt. Die Vereinten Nationen warnten vor isolierten Seeleuten in der Straße von Hormus, ein Hinweis darauf, wie stark der Schiffsverkehr durch die Meerenge inzwischen beeinträchtigt ist. Am Freitagnachmittag gab der Ölpreis zwar einen Teil seiner Gewinne wieder ab, ein Anzeichen für nachlassenden Druck lieferte das allein aber nicht.

Fazit und Ausblick auf KW31

KW30 zeigte ein selteneres Bild als in den Wochen zuvor: Der Iran-Krieg bewegte den Goldpreis tatsächlich, zumindest zwischenzeitlich. Der Tankerangriff in der Straße von Hormus und die getroffenen Kraftwerke in Kuwait trieben den Kurs auf sein Wochenhoch. Am Donnerstag kippte das Bild wieder in Richtung des bekannten Musters, als robuste US-Arbeitsmarktdaten und ein vorläufiges Ende der jüngsten Angriffswelle den Kurs drückten. Unterm Strich blieb ein vorläufiges Wochenplus von 1,28 Prozent, der erste Wochengewinn nach zwei Verlustwochen in Folge. Der finale Schlusskurs nach 22:00 Uhr kann diese Zahl noch leicht verändern.

In KW31 stehen folgende Themen im Vordergrund:

  • Iran-Krieg: Ob das Ende der jüngsten US-Angriffswelle eine echte Beruhigung einleitet oder nur eine kurze Pause vor der nächsten Eskalationsstufe ist.
  • Straße von Hormus und Bab al-Mandab: Ob sich die Lage für die Schifffahrt an beiden Meerengen weiter zuspitzt.
  • US-Arbeitsmarkt: Ob sich die robusten Daten vom Donnerstag in weiteren Kennzahlen bestätigen und die Zinserwartungen entsprechend anpassen.
  • Diesel- und Benzinpreise: Ob sich die Annäherung an das Allzeithoch in Deutschland fortsetzt, auch unter dem Eindruck der neuen US-Zölle.

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Quellen: Deutsche Börse (XETRA-GOLD, Kurshistorie 20.07.–24.07.2026, Stand 24.07.2026 18:45 Uhr, finaler Freitags-Schlusskurs stand zum Redaktionsschluss noch aus), Forex Factory (Wirtschaftskalender KW30, HIGH IMPACT Events: kanadische Inflation, EZB-Zinsentscheid, US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe), Deutsche Boerse Live-Rohstoff-Newsfeed (20.07.–24.07.2026)
Stand: 24.07.2026, 18:45 Uhr | KW30 | ALLE PREISE IN US-DOLLAR | Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768

Autor: Ishy Bazooka

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Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.