Goldpreis KW 22/2026: Fast vier Dollar Absturz – und trotzdem Wochenplus



Die USA griffen wieder den Iran an. Gold fiel trotzdem. Fünf Tage später stand es höher als zu Beginn der Woche. Warum Bomben auf Teheran den Goldkurs zunächst drückten statt trieben, und was am Donnerstag innerhalb weniger Stunden fast vier Dollar Unterschied machte, steht weiter unten.

ALLE PREISE IN US-DOLLAR.

TL;DR – Die Woche in Zahlen

  • KW21-Schluss (Referenz): 144,92 USD/g (Fr 22.05.2026)
  • Wochenhoch: 147,69 USD/g (Freitag, 29.05., Tageshoch 4.593,943 USD/oz)
  • Wochentief: 140,57 USD/g (Donnerstag, 28.05., Tagestief 4.372,436 USD/oz)
  • Letzter XETRA-Handelskurs: 146,07 USD/g (Freitag, 29.05.)
  • Wochenveränderung: +1,15 USD/g (+0,79 %) gegenüber KW21
  • Wichtigstes Ereignis: US-Militär greift Ziele im Iran und Minenleger-Boote in der Straße von Hormus an. Gold fällt trotzdem, weil gleichzeitig auf eine Einigung spekuliert wurde. Wer Frieden erwartet, kauft kein Gold.
  • Überraschung der Woche: Donnerstag, 28.05.: Gold bricht im Tagesverlauf auf 140,57 USD/g ein, erholt sich bis Handelsschluss auf 144,59 USD/g. Fast vier Dollar innerhalb eines einzigen Handelstages.
  • Wirtschaft: US-Kern-PCE bei 0,2 Prozent (erwartet 0,3). US-BIP-Erstschätzung Q1 2026 bei +1,6 Prozent (erwartet 2,0). Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA: 215.000. Chicago-Einkaufsmanagerindex springt auf 62,7 Punkte (erwartet 50,6). Kanadas Wirtschaft schrumpfte im April.
  • Geopolitik: US-Angriffe auf iranische Ziele und Minenleger-Boote in der Straße von Hormus. Iran widerspricht der US-Darstellung in mehreren Punkten. Neue Angriffe am Persischen Golf. Israel weitet Bodeneinsätze im Libanon aus. Ukraine trifft erneut Öllager im Süden Russlands.

Die Preisentwicklung im Detail

KW22 war keine ruhige Woche. Montag stark, Dienstag und Mittwoch je über ein Prozent verloren, Donnerstag im Tagesverlauf auf das tiefste Niveau seit Wochen gefallen und bis Handelsschluss wieder aufgeholt, Freitag mit einem weiteren Plus abgeschlossen. Die Wochenspanne zwischen dem höchsten und dem tiefsten Tagesschlusskurs betrug 4,01 Dollar. Gemessen an den Kursbewegungen innerhalb einzelner Handelstage war die tatsächliche Bandbreite noch deutlich größer.

TagDatumSchlusskursVeränderung
Montag25.05.2026147,08 USD/g+1,49 %
Dienstag26.05.2026144,88 USD/g−1,49 %
Mittwoch27.05.2026143,07 USD/g−1,25 %
Donnerstag28.05.2026144,59 USD/g+1,06 %
Freitag29.05.2026146,07 USD/g+1,02 %

Alle Angaben auf Basis der XETRA-GOLD-Schlusskurse (Quelle: Deutsche Börse). Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768.

Montag, 25.05. – 147,08 USD/g (+1,49 %)

Pfingstmontag in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien. Vier große Märkte hatten geschlossen. Der XETRA-Handel in Frankfurt lief, aber mit deutlich weniger Volumen als an einem normalen Montag.

Gold legte trotzdem 1,49 Prozent zu. Frische Wirtschaftsdaten gab es kaum. Was den Kurs trieb, kam aus dem Nahen Osten: Berichte über US-Militäraktionen gegen den Iran und Minenleger-Boote in der Straße von Hormus kursierten bereits am Wochenende. Wer nicht weiß, was als nächstes kommt, kauft Gold. Das hat immer gegolten.

Kanada meldete am Abend einen Rückgang der Unternehmensgewinne um 2,0 Prozent im Quartalsvergleich. Erwartet wurde ein Minus von 1,6 Prozent. In der Feiertags-Stille fand dieser Wert kaum Beachtung. Gold schloss bei 147,08 USD/g.

Dienstag, 26.05. – 144,88 USD/g (−1,49 %)

Erster voller Handelstag in Europa. Sofort Gegenwind. Gold verlor 1,49 Prozent, exakt so viel wie es am Montag gewonnen hatte.

Aus Großbritannien kamen am frühen Morgen Ladenketten-Preisdaten. Der Preisindex des British Retail Consortium, einer Vereinigung britischer Einzelhändler, stieg um 1,2 Prozent im Jahresvergleich. Erwartet wurden 1,1 Prozent. Kein Ausreißer, aber ein weiteres Zeichen: Die Inflation in Großbritannien geht langsam zurück. Das gibt der britischen Notenbank etwas mehr Spielraum.

Am Nachmittag kamen aus den USA Immobilien- und Stimmungsdaten. Der S&P/CS Composite-20-Index, der die Preisentwicklung von Wohnimmobilien in den 20 größten US-Städten misst, stieg um 0,8 Prozent im Jahresvergleich. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board, eine monatliche Umfrage zum Wirtschaftsausblick der US-Bevölkerung, verbesserte sich auf 93,1 Punkte. Erwartet wurden 91,9, der Vormonat lag bei 93,8.

93,1 Punkte: besser als erwartet, aber schlechter als im April. Die Menschen in den USA sind etwas weniger pessimistisch als befürchtet, aber nicht weniger besorgt als zuvor. Ein stabilisierendes Verbrauchervertrauen bremst die Flucht in sichere Häfen. Gold schloss bei 144,88 USD/g.

Mittwoch, 27.05. – 143,07 USD/g (−1,25 %)

Zweiter Verlusttag in Folge. Gold schloss bei 143,07 USD/g und damit wieder am unteren Rand der bekannten Unterstützungszone zwischen 143 und 144 USD/g.

Am Dienstagabend hatten US-Kreise gemeldet: Iran-Einigung erzielt, Trump müsse noch zustimmen. Keine offizielle Bestätigung, aber der Markt preist Erwartungen ein, keine Fakten. Wer auf Frieden wettet, kauft kein Gold. Die Risikoprämie (der Preisaufschlag für mögliche Krisen) schmolz.

Der Richmond-Fertigungsindex, eine monatliche Umfrage unter Industrieunternehmen im mittleren Atlantikraum der USA, sprang auf 13 Punkte. Erwartet wurden 4, der Vormonat lag bei 3. Ein starkes Signal. Starke US-Industrie bedeutet: Die US-Notenbank (Fed) hat keinen Grund, die Zinsen zu senken. Hohe Zinsen sind schlecht für Gold, weil Gold selbst keine Zinsen zahlt. Wer Gold hält statt US-Staatsanleihen, verzichtet auf Erträge. Je höher die Zinsen, desto größer dieser Verzicht.

Wer in Deutschland ein Tagesgeldkonto hat, kennt das Prinzip. Wenn die Zinsen steigen, lohnt sich das Parken von Geld auf dem Konto mehr. Gold zahlt keine Zinsen. Solange die US-Wirtschaft stark genug läuft, um hohe Zinsen zu rechtfertigen, bleibt Gold unter Druck. Gold schloss bei 143,07 USD/g.

Donnerstag, 28.05. – 144,59 USD/g (+1,06 %)

Gold fiel am Donnerstagvormittag auf 140,57 USD/g. Tiefstes Niveau seit mehreren Wochen. Drei Dollar unter der Zone, die seit KW18 viermal als Boden gehalten hatte. Bis zum Handelsschluss stand Gold bei 144,59 USD/g. Plus 1,06 Prozent gegenüber dem Vortag. Fast vier Dollar Unterschied innerhalb eines einzigen Handelstages.

Was trieb den Einbruch? Aus Washington kamen Meldungen über eine erzielte Iran-Einigung. Trump hatte noch nicht zugestimmt, aber der Markt handelte die Erwartung. Weniger Kriegsrisiko am Golf bedeutet weniger Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen.

Was trieb die Erholung? Die US-Konjunkturdaten am Nachmittag enttäuschten. Das erste BIP-Bericht für das erste Quartal 2026 (eine Schätzung des wirtschaftlichen Gesamtwachstums der USA) wuchs um 1,6 Prozent. Erwartet wurden 2,0 Prozent. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA lagen bei 215.000. Erwartet wurden 211.000. Schwächeres Wachstum und etwas mehr Arbeitslose als erwartet: das gibt der Fed mehr Spielraum für Zinssenkungen. Zinssenkungen wären gut für Gold. Der Markt drehte.

Dazu kamen überraschend starke Auftragsdaten. Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter (Maschinen, Fahrzeuge, Elektronik) stiegen im Monatsvergleich um 7,9 Prozent. Erwartet wurden 4,0 Prozent. Ein starkes Signal, das aber das schwache BIP-Bild nicht vollständig überdeckte. Gold schloss bei 144,59 USD/g.

Freitag, 29.05. – 146,07 USD/g (+1,02 %)

Ein klares Plus zum Wochenabschluss, getrieben von Europa.

Aus Deutschland meldete das Statistische Bundesamt vorläufige Verbraucherpreise für Mai: minus 0,2 Prozent im Monatsvergleich. Erwartet wurden plus 0,1 Prozent. Wer im Mai einkaufen war, hat das vielleicht schon gemerkt: Energie war günstiger, Lebensmittelpreise stiegen langsamer. Wenn die Preise in Deutschland unter den Erwartungen bleiben, bekommt die Europäische Zentralbank mehr Spielraum für Zinssenkungen. Sinkende Zinsen in Europa machen Gold als zinslose Anlage attraktiver.

Aus Frankreich kamen ähnliche Signale. Der französische Verbraucherpreisindex fiel im Monatsvergleich um 0,5 Prozent. Erwartet wurden minus 0,1 Prozent. Das französische BIP stagnierte im Quartalsvergleich bei minus 0,1 Prozent. Europas zweitgrößte Volkswirtschaft wächst nicht. Schwaches Wachstum plus sinkende Inflation in Europa: ein Umfeld, in dem Zinssenkungen der EZB näher rücken.

Aus Deutschland kam außerdem eine Überraschung auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen sank um 12.000. Erwartet wurde ein Anstieg um 11.000. Weniger Entlassungen als erwartet, das ist ein kleines, aber echtes positives Signal für die deutsche Konjunktur.

Am späten Nachmittag kam aus den USA der Chicago-Einkaufsmanagerindex, eine monatliche Umfrage unter Einkaufsverantwortlichen in der Region Chicago, einem der wichtigsten Industriezentren der USA. Er sprang auf 62,7 Punkte. Erwartet wurden 50,6, der Vormonat lag bei 49,2. Ein Wert über 50 bedeutet Wachstum. 62,7 ist außergewöhnlich stark. Dieser Wert gab dem Dollar kurzfristig Rückenwind, bremste das Goldplus aber nur leicht. Gold schloss bei 146,07 USD/g.

Wochenhoch und Wochentief – Was steckt dahinter?

Wochenhoch: 147,69 USD/g am Freitag

Das Tageshoch von 147,69 USD/g entstand am Freitag, als die europäischen Inflationsdaten deutlich unter den Erwartungen lagen. Deutsche und französische Verbraucherpreise, ein stagnierendes französisches BIP und ein besser als erwarteter deutscher Arbeitsmarkt schickten zusammen ein klares Signal: Die EZB wird früher senken als bisher erwartet. Das macht Gold attraktiver. Der starke Chicago-Einkaufsmanagerindex am Abend setzte dem Tageshoch ein Ende. Gold schloss knapp darunter.

Wochentief: 140,57 USD/g am Donnerstag, erstmals unter der Unterstützungszone

140,57 USD/g am Donnerstag. Die Zone zwischen 143 und 144 USD/g hatte in KW18, KW19, KW20 und KW21 viermal als Boden gehalten. Am Donnerstag wurde sie im Tagesverlauf zum ersten Mal durchbrochen.

Entscheidend ist, was danach passierte. Gold schloss denselben Tag bei 144,59 USD/g. Wer beim Tagestief kaufte, lag am Handelsschluss fast vier Dollar im Plus. In der Chartanalyse (der Auswertung von Kursverläufen und Preismustern) gilt eine Zone, die wiederholt getestet und als Tagesschluss gehalten wird, als starke Unterstützungszone, also ein Bereich, in dem regelmäßig Käufer einsteigen. Die Zone hielt erneut als Tagesschluss. Aber das Tagestief bei 140,57 USD/g ist ein Warnsignal. Wenn die Zone beim nächsten Test auch als Schlusskurs bricht, wäre das ein neues Signal nach unten.

USA greifen Iran an – und Gold fällt trotzdem

Das dominierende Thema der KW22 kam nicht aus dem Datenkatalog.

Die Deutsche Börse meldete ab Dienstagabend in rascher Folge: US-Militär greift Ziele im Iran an. Minenleger-Boote in der Straße von Hormus werden angegriffen. US-Sanktionen gegen Irans Behörde zur Kontrolle des Seewegs. Am Mittwoch folgten weitere Meldungen über Angriffe am Persischen Golf. Am Donnerstag meldeten US-Kreise, eine Iran-Einigung sei erzielt, Trump müsse noch zustimmen. Iran widersprach der US-Darstellung in mehreren Punkten. Trump kündigte eine endgültige Entscheidung an und traf sie bis Redaktionsschluss nicht.

Militärische Angriffe treiben Gold normalerweise nach oben. In KW22 lief es anders. Gold fiel von Dienstag bis Mittwoch und brach am Donnerstag im Tagesverlauf (also zwischen Handelsbeginn und Handelsschluss) auf das Wochentief ein. Der Grund liegt in der gleichzeitigen Einigungsspekulation. Wer Frieden erwartet, kauft kein Gold. Wer Eskalation erwartet, kauft Gold. In KW22 waren beide Lager gleichzeitig aktiv. Das Ergebnis war extreme Bewegung innerhalb einzelner Handelstage, kein klarer Trend über die Woche.

Was am Golf passiert, landet schnell an der deutschen Zapfsäule. In den Tagen der Angriffsmeldungen zogen die Ölpreise an. Als die Einigungsgerüchte die Oberhand gewannen, gaben sie wieder nach. Diesel in Deutschland hatte kurz vor Pfingsten die Zwei-Euro-Marke unterschritten. Ob das hält, entscheidet sich in KW23. Bleibt die Straße von Hormus unsicher, steigen Energiepreise. Steigende Energiepreise ziehen Transport, Heizöl und Lebensmittelpreise mit. Was an der Zapfsäule teurer wird, kommt früher oder später auf dem Kassenzettel im Supermarkt an.

Israel weitete in KW22 Bodeneinsätze im Libanon aus. Die Ukraine traf erneut Öllager im Süden Russlands. Russland drohte Armenien mit Gas-Entzug wegen EU-Annäherung. Drei separate Konflikte mit Rohstoffbezug in einer einzigen Woche. Das ist das geopolitische Umfeld, in dem Gold KW22 mit einem Plus abgeschlossen hat.

US-Daten: Wachstum schwächer, Inflation hartnäckig

Neben den Schlagzeilen aus dem Nahen Osten lieferte KW22 eine Reihe von US-Wirtschaftsdaten, die das Bild für Gold in den kommenden Wochen mitbestimmen.

Das Kern-PCE, der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaßstab (ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise), stieg im Monatsvergleich um 0,2 Prozent. Erwartet wurden 0,3 Prozent. Die Kerninflation in den USA kühlt weiter ab. Das ist ein Signal, das der Fed theoretisch mehr Spielraum für Zinssenkungen gibt.

Gleichzeitig wuchs die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2026 nur um 1,6 Prozent. Erwartet wurden 2,0 Prozent. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA lagen bei 215.000. Erwartet wurden 211.000. Beides leicht schwächer als erwartet. Sinkende Kerninflation plus schwächeres Wachstum plus etwas mehr Arbeitslose: Das Bild, das sich daraus ergibt, ist ein klassisches Argument für Zinssenkungen.

Aber dann kam der Chicago-Einkaufsmanagerindex mit 62,7 Punkten. Das ist kein schwaches Signal. Das ist das stärkste Ergebnis seit Monaten aus einer der wichtigsten Industrieregionen der USA. Starke Industrie, schwaches Gesamtwachstum, sinkende Kerninflation, aber hartnäckige Inflationserwartungen der Bevölkerung bei 4,8 Prozent aus der Vorwoche. Die Fed hat keinen klaren Auftrag, jetzt zu senken.

Aus Kanada kamen am Freitag ebenfalls Daten. Das kanadische BIP schrumpfte im Monatsvergleich um 0,1 Prozent. Erwartet wurden plus 0,1 Prozent. Kanadas Wirtschaft bremst. Das ist für Gold kein direkter Treiber, zeigt aber: Die wirtschaftliche Schwäche ist kein rein amerikanisches Phänomen.

Stagflation: Was das für Sparerinnen und Sparer bedeutet

Schwächeres Wachstum. Steigende Arbeitslosigkeit. Inflationserwartungen der US-Bevölkerung bei 4,8 Prozent. Ökonomen haben dafür einen Begriff: Stagflation. Wirtschaftliche Schwäche und hartnäckige Inflation zur selben Zeit.

Für jemanden, der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz spart, ist das keine abstrakte Zahl. Wer in den frühen 1980er Jahren ein Sparbuch hatte, weiß, wie sich Stagflation anfühlt: Die Preise steigen, das Geld auf dem Konto verliert Kaufkraft, aber die Wirtschaft läuft nicht gut genug, um die Löhne mitzuziehen. Gold hat in solchen Phasen historisch Kaufkraft erhalten, während Sparbücher und Anleihen real an Wert verloren.

Kurzfristig läuft die Logik aber anders. Solange die Inflationserwartungen bei 4,8 Prozent liegen, kann die Fed die Zinsen nicht senken. Hohe Zinsen machen Anleihen und Tagesgeld attraktiver als Gold, weil Gold selbst nichts zahlt. Das ist der Widerspruch, in dem sich Gold gerade befindet: langfristig ein klassischer Schutz vor Stagflation, kurzfristig unter Druck durch den Zinsmechanismus.

Wie lange dieser Widerspruch anhält, entscheiden die kommenden Inflationsdaten. Sinkt die Kerninflation weiter, könnte die Fed noch in diesem Sommer reagieren. Steigen die Inflationserwartungen weiter, bleibt Gold unter Druck.

Fazit und Ausblick auf KW23

Gold hat in KW22 0,79 Prozent gewonnen. Das Endergebnis täuscht über die Bewegung hinweg. Ein Einbruch im Tagesverlauf auf 140,57 USD/g am Donnerstag, gefolgt von einer Erholung auf 144,59 USD/g bis Handelsschluss. Die Unterstützungszone um 143 bis 144 USD/g wurde im Tagesverlauf zum ersten Mal durchbrochen, hielt aber als Tagesschlusskurs erneut. Das ist das fünfte Mal in fünf Wochen.

Die dominierenden Themen bleiben dieselben: Iran, Zinsen, Inflation. Neu in KW22 ist die Militäreskalation, die Gold paradoxerweise nicht dauerhaft trieb, weil gleichzeitig auf Einigung spekuliert wurde. Der Markt handelt nicht die Nachricht, sondern die Erwartung dahinter.

In KW23 stehen folgende Termine im Kalender:

  • Iran-Verhandlungen: Trump kündigte eine endgültige Entscheidung an und traf sie bis Redaktionsschluss nicht. Iran widerspricht der US-Darstellung in mehreren Punkten. Jede Meldung aus Washington oder Teheran bewegt Öl und Gold sofort. Was an der Straße von Hormus passiert, kommt innerhalb von Tagen an der deutschen Zapfsäule an.
  • Geopolitik Naher Osten: Israel weitet Bodeneinsätze im Libanon aus. Neue Angriffe am Persischen Golf. Die Straße von Hormus bleibt laut Iran unter iranischer Kontrolle. Ein freier Korridor ist das nicht.
  • US-Geldpolitik: Kern-PCE unter Erwartung, BIP schwächer als erwartet. Das gibt der Fed Spielraum. Aber Inflationserwartungen der US-Bevölkerung bei 4,8 Prozent lassen ihr wenig Handlungsspielraum. Mehrere Fed-Mitglieder sprachen in KW22, ohne klare Signale zu setzen.
  • Unterstützungszone 143 bis 144 USD/g: Fünfmal getestet, fünfmal als Tagesschluss gehalten. Am Donnerstag im Tagesverlauf durchbrochen. Ein Tagesschlusskurs dauerhaft unter 143 Dollar wäre ein neues Signal nach unten.

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Quellen: Deutsche Börse (XETRA-GOLD, Kurshistorie 25.-29.05.2026), Forex Factory (Wirtschaftskalender KW22, HIGH IMPACT Events: Corporate Profits q/q Canada, BRC Shop Price Index y/y, BOJ Core CPI y/y, CBI Realized Sales, HPI m/m, S&P/CS Composite-20 HPI y/y, CB Consumer Confidence, SPPI y/y, MI Leading Index m/m, CPI m/m AUD, CPI y/y AUD, Trimmed Mean CPI m/m, Official Cash Rate NZD, UBS Economic Expectations, German 30-y Bond Auction, ADP Weekly Employment Change, Richmond Manufacturing Index, Household Spending m/m AUD, Private Capital Expenditure q/q AUD, Annual Budget Release NZD, Core PCE Price Index m/m, PCE Price Index m/m, Prelim GDP q/q, Prelim GDP Price Index q/q, Unemployment Claims, Core Durable Goods Orders m/m, Durable Goods Orders m/m, Personal Income m/m, Personal Spending m/m, New Home Sales, Natural Gas Storage, Crude Oil Inventories, Tokyo Core CPI y/y, Prelim Industrial Production m/m Japan, Retail Sales y/y Japan, German Prelim CPI m/m, French Consumer Spending m/m, French Prelim CPI m/m, French Prelim GDP q/q, KOF Economic Barometer, Spanish Flash CPI y/y, German Unemployment Change, Italian Monthly Unemployment Rate, Italian Prelim CPI m/m, GDP m/m Canada, Goods Trade Balance, Prelim Wholesale Inventories m/m, Chicago PMI), Deutsche Boerse Live-Rohstoff-Newsfeed (25.-29.05.2026)
Stand: 29.05.2026 | KW22 | ALLE PREISE IN US-DOLLAR | Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768

Autor: Ishy Bazooka

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