Goldpreis KW 11/2026: Straße von Hormus gesperrt, Gold trotzdem schwächer
Die elfte Handelswoche 2026 war keine Schockwoche – sie war etwas Schwierigeres: eine Normalisierungswoche. Der Iran-Krieg lief weiter, die Straße von Hormus blieb de facto gesperrt, Brent-Rohöl hielt sich hartnäckig um die 100-Dollar-Marke. Und Gold? Gold verlor trotzdem. Nicht dramatisch – aber konsequent. Die Lektion: Was eingepreist ist, treibt den Kurs nicht mehr.
TL;DR – Die Woche in Zahlen
- KW10-Schluss (Referenz): 165,69 USD/g (Fr 06.03.2026)
- Wochenhoch: 168,39 USD/g (Dienstag, 10.03., Tageshoch)
- Wochentief: 161,32 USD/g (Freitag, 13.03., Schlusskurs)
- Schlusskurs Freitag: 161,32 USD/g
- Wochenveränderung: –4,37 USD/g (–2,64 %) gegenüber KW10
- Wichtigstes Ereignis: Erstschätzung US-BIP Q4 2025: +0,7 % (Erwartung: +1,4 %) – deutlich unter Konsens
- Schlechtester Tag: Freitag –1,23 % – BIP-Schock löste keine nachhaltige Erholung aus
Die Preisentwicklung im Detail
KW11 zeigte ein Muster das Goldanleger kennen sollten: Geopolitische Risiken treiben Gold nur einmal. Der erste Iran-Schock kam in KW10. In KW11 war der Krieg Realität – täglich neue Meldungen, weiterhin gesperrte Seestraße, weiterhin Öl bei 100 Dollar. Aber der Goldmarkt hatte genug gesehen. Ohne neue Eskalationsstufe gab es keinen neuen Aufschlag.
| Tag | Datum | Schlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Freitag (KW10) | 06.03.2026 | 165,69 USD/g | Vorwoche |
| Montag | 09.03.2026 | 165,19 USD/g | –0,30 % |
| Dienstag | 10.03.2026 | 166,81 USD/g | +0,98 % |
| Mittwoch | 11.03.2026 | 166,40 USD/g | –0,25 % |
| Donnerstag | 12.03.2026 | 163,34 USD/g | –1,84 % |
| Freitag | 13.03.2026 | 161,32 USD/g | –1,23 % |
Montag, 09.03. – 165,19 USD/g (–0,30 %)
Der erste Handelstag der Woche brachte keine Überraschung. Gold eröffnete bei 164,22 USD/g und schloss knapp darunter gegenüber der Vorwoche. Die Straße von Hormus blieb nominell gesperrt – die Revolutionsgarden hatten über das Wochenende erneut bestätigt, dass kein Öl durchkomme. Und doch: Gold reagierte kaum.
Der Grund liegt im Gewöhnungseffekt. Der Iran-Krieg war zehn Tage alt. Institutionelle Investoren hatten ihre Positionen längst angepasst. Gleichzeitig hatte Trump über das Wochenende angedeutet, der Krieg könnte „so gut wie beendet“ sein – eine Aussage die an den Märkten als potenzielle Deeskalation gelesen wurde. Das Tagestief von 162,83 USD/g zeigte die nach unten bestehende Anfälligkeit. Das Tageshoch von 165,49 USD/g blieb eng begrenzt.
Wichtiger Datenpunkt: Der Auftragseingang der deutschen Industrie für Januar brach um –11,1 % gegenüber Vormonat ein – ein katastrophaler Wert, weit unter der Erwartung von –4,2 %. Das Iran-Kriegs-Echo beginnt in den Harddaten anzukommen.
Dienstag, 10.03. – 166,81 USD/g (+0,98 %)
Der stärkste Tag der Woche. Gold kletterte auf ein Wochenhoch von 168,39 USD/g (Intraday) und schloss bei 166,81 USD/g. Was trieb den Anstieg?
Mehrere Faktoren flossen zusammen. Chinas Handelsbilanz für Februar zeigte einen massiven Überschuss von 213,6 Milliarden Dollar – weit über den erwarteten 177,4 Milliarden. Das stützte Rohstoffpreise generell. Gleichzeitig eskalierte der Iran-Krieg wieder: Angriffe auf Tanker im Persischen Golf, iranische Drohungen gegen Inseln in der Meeresenge. Die IEA rief zu einer Sondersitzung zur Freigabe von Ölnotreserven auf.
Für Gold war das ein temporäres Aufflackern des Kriegs-Premiums. Das Tageshoch von 168,39 USD/g war das höchste Niveau seit dem Allzeithoch vom 28. Januar. Aber wie in KW10 gilt: Intraday-Spikes bei Kriegsschocks halten selten.
Mittwoch, 11.03. – 166,40 USD/g (–0,25 %)
Leichte Konsolidierung nach dem Dienstags-Spike. Das Tageshoch lag bei 167,30 USD/g, das Tagestief bei 165,68 USD/g – eine enge Handelsspanne, die Orientierungslosigkeit signalisiert.
Makrodatenseitig war der Mittwoch ruhig: Deutschlands endgültige Inflationsdaten (Verbraucherpreisindex, VPI) für Februar kamen mit +0,2 % zum Vormonat herein – exakt wie erwartet. In den USA stieg die Inflation im Februar um +0,3 % zum Vormonat und lag mit +2,4 % im Jahresvergleich ebenfalls genau auf Konsenslinie. Keine Überraschung in beide Richtungen. In einem von Geopolitik getriebenen Markt dominieren solche Datenpunkte wenig.
Am Mittwoch mehrten sich auch Berichte über erste US-Marinepräsenz in der Straße von Hormus – Öltanker wurden eskortiert. Brent fiel leicht auf unter 100 Dollar. Für Gold bedeutete das weniger Kriegsprämie, aber auch weniger Liquiditätsdruck durch Öl-Hedges.
Donnerstag, 12.03. – 163,34 USD/g (–1,84 %)
Der schlechteste Tag der Woche. Gold verlor 3,06 USD/g in einem einzigen Handelstag – das stärkste Tagesminus seit dem Dienstag in KW10.
Was passierte? Der Mechanismus war dieselbe wie in KW10, nur in kleinerem Maßstab. Öl gab nach – Sprit in Deutschland fiel laut ADAC den zweiten Tag in Folge. Trump stellte erneut ein baldiges Kriegsende in Aussicht. Gleichzeitig lockerten die USA Sanktionen auf russisches Öl – eine Entwicklung die den globalen Ölmarkt partiell entlastet und den Kriegs-Risikoaufschlag auf alle Rohstoffe reduziert.
US-Handelsdaten für Januar lieferten einen gemischten Datenpunkt: Güterhandelsbilanz –80,8 Milliarden Dollar (besser als erwartet –98,5 Milliarden). Die Baubeginne (neu gestartete Wohnbauprojekte) lagen mit 1,49 Millionen Einheiten deutlich über den erwarteten 1,34 Millionen. Beides sprach für relative Stärke der US-Wirtschaft – und damit gegen aggressive Fed-Zinssenkungen – und damit gegen Gold.
Das Tagestief von 162,52 USD/g war das tiefste Niveau seit Ende Februar.
Freitag, 13.03. – 161,32 USD/g (–1,23 %)
Der schwächste Schlusskurs der Woche – und das ausgerechnet an einem Tag mit einem schlechten BIP, der Gold eigentlich hätte stützen sollen. Die Erstschätzung des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Q4 2025 lag bei +0,7 % annualisiert, halb so hoch wie erwartet. Gold stieg kurz nach der Datenpublikation auf ein Tageshoch von 164,62 USD/g – und verkaufte dann bis Börsenschluss auf 161,32 USD/g durch.
Das ist das eigentliche Signal des Freitags: Der BIP-Schock hat keine nachhaltige Erholung erzeugt. Schlechte Wirtschaftsdaten erhöhen zwar theoretisch die Zinssenkungserwartungen – aber gleichzeitig lösen sie Rezessionsängste aus, die zu Liquiditätsverkäufen führen. Hinzu kamen weitere Daten des Tages: Die Kerninflation (PCE-Index, der bevorzugte Inflationsindikator der US-Notenbank) stieg im Februar um +0,4 % zum Vormonat. Privates Einkommen +0,4 %, Privater Konsum +0,4 %. Offene Stellen (JOLTS) bei 6,76 Millionen – leicht besser als erwartet. Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan fiel auf 55,0 – unter die 56,6 der Vorwoche. Verbraucher spüren den Energiepreisschock des Iran-Kriegs im Alltag.
In einem Markt der seit zwei Wochen unter Druck steht, gewann die Verkäuferseite am Ende die Oberhand. Der Freitagsschluss bei 161,32 USD/g war das tiefste Niveau seit Mitte Februar. Wochenveränderung gegenüber KW10: –4,37 USD/g (–2,64 %).
Wochenhoch und Wochentief – Was steckt dahinter?
Wochenhoch: 168,39 USD/g am Dienstag (Intraday)
Das Wochenhoch entstand unter ähnlichen Bedingungen wie das KW10-Hoch: eine Eskalationswelle im Persischen Golf, Angriffe auf Tanker, IEA-Sondersitzung. Der Markt reagierte kurzfristig mit einem Safe-Haven-Spike – aber längst nicht mehr so ausgeprägt wie beim ersten Iran-Schock. Das Hoch von 168,39 USD/g lag 5,75 USD/g unter dem KW10-Wochenhoch von 174,14 USD/g. Die Bereitschaft, den Iran-Krieg als frischen Schock zu preisen, nimmt mit jeder Woche ab.
Wochentief: 161,32 USD/g am Freitag (Schlusskurs)
Das endgültige Wochentief war nicht der Donnerstag-Einbruch (Tagestief 162,52 USD/g) – sondern der Freitagsschluss. 161,32 USD/g war das niedrigste Niveau seit Mitte Februar. Die Handelsspanne zwischen Wochenhoch (168,39 USD/g) und Wochentief betrug damit 7,07 USD/g – eine Schwankungsbreite von 4,2 Prozent. Breiter als sie auf den ersten Blick wirkt, aber deutlich enger als die 7,4 % in KW10. Der Markt ist ruhiger geworden – nur leider in die falsche Richtung.
Warum Krieg den Goldpreis nicht mehr treibt
KW11 liefert den Beweis für eine Regel, die Goldanleger verinnerlichen sollten: Geopolitik treibt Gold nur einmal. Der erste Schock – unbekannt, überraschend, eindeutig – erzeugt einen Preis-Spike. Danach wird Krieg zum Zustand. Und Zustände werden eingepreist, nicht täglich neu bewertet.
Der Iran-Krieg läuft seit 14 Tagen. Die Straße von Hormus ist gesperrt, die IEA hat ihre größte je koordinierte Reservenfreigabe aktiviert, G7-Marinekräfte eskortieren Öltanker. Das ist kein neues Ereignis mehr – das ist der neue Rahmen. Gold hat sich auf ein Niveau eingependelt das diesen Rahmen einpreist: deutlich über 160 USD/g, aber nicht mehr auf Allzeithoch-Niveau.
Was Gold jetzt braucht um wieder zu steigen: entweder eine neue, unerwartete Eskalationsstufe – oder ein makroökonomischer Katalysator wie beschleunigte Fed-Zinssenkungen. Das schwache BIP vom Freitag ist ein erstes Signal in diese Richtung.
Deutscher Auftragseingang unter Iran-Druck: –11,1 % im Januar
Der größte volkswirtschaftliche Schock der Woche kam nicht aus den USA, sondern aus Deutschland. Der Auftragseingang der deutschen Industrie für Januar 2026 brach um –11,1 % gegenüber dem Vormonat ein – erwartet worden war ein Rückgang von 4,2 %. Das ist mehr als das Doppelte des Konsens.
Die Kausalität ist klar: Der Iran-Krieg hat die Energiekosten erhöht, Lieferketten gestört und Exportmärkte im Nahen Osten vorübergehend abgeschnitten. Auch die Deutsche Industrieproduktion für Januar fiel mit –0,5 % m/m leicht negativ aus. Deutschland – als energieintensive Exportnation strukturell anfällig für geopolitische Energieschocks – absorbiert den Iran-Krieg zuerst in den Harddaten.
Für Gold ist das indirekt relevant: Eine schwächere deutsche und europäische Wirtschaft erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen schneller zu senken. Sinkende Zinsen sind fundamentaler Goldtreiber.
US-BIP-Schock am Freitag: Erstschätzung 0,7 % statt erwarteten 1,4 %
Die Erstschätzung des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das vierte Quartal 2025 kam mit +0,7 % annualisiert – halb so hoch wie die Konsensprognose von +1,4 %. Das ist kein Ausreißer. Es ist Teil einer Serie schwacher US-Datenpunkte, die sich seit Wochen aufbaut.
Zur Einordnung: In KW10 verlor der US-Arbeitsmarkt netto 92.000 Stellen. Über das gesamte Jahr 2025 wurden im Schnitt nur 15.000 neue Stellen pro Monat geschaffen. Jetzt ein BIP weit unter Erwartung. Das Bild fügt sich zusammen: Die US-Wirtschaft verliert an Fahrt – schneller als der Konsens zulässt.
Die unmittelbare Gold-Reaktion war moderat positiv. Strukturell ist das Signal klar: Je schwächer die US-Wirtschaft, desto früher die Fed-Zinssenkungen, desto attraktiver Gold als zinsloses Asset. CME FedWatch preiste nach den Freitagsdaten eine leicht erhöhte Zinssenkungswahrscheinlichkeit für Mai ein.
Fazit: Der Markt hat den Krieg eingepreist – die Wirtschaft noch nicht
KW11 schloss vorläufig mit einem Wochenminus von knapp 1 % – bei andauerndem Krieg, gesperrter Meeresstraße, katastrophalen deutschen Fabrikdaten und einem US-BIP weit unter Erwartung. Das klingt nach einem Paradox. Es ist aber Marktlogik.
Der Goldmarkt hat den Iran-Krieg als Dauerzustand akzeptiert und eingepreist. Was fehlt, ist der nächste unbekannte Schock. Die Wirtschaftsdaten der Woche – deutsches Auftragsdesaster, schwaches US-BIP, fallende Verbraucherstimmung – sind kein neues Schock-Ereignis, aber ein wachsender fundamentaler Rückenwind für Gold.
Die drei strukturellen Treiber bleiben intakt: anhaltende geopolitische Unsicherheit, eine schwächelnde US- und EU-Wirtschaft und die Perspektive früherer Zinssenkungen diesseits und jenseits des Atlantiks. KW11 war eine Atempause – keine Trendwende.
Quellen: Deutsche Börse (Goldpreis Rohstoff, Kurshistorie), U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA – Advance GDP Estimate Q4 2025), U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS), Institute for Supply Management, University of Michigan Consumer Sentiment, Forex Factory, Bloomberg, Reuters, dpa
Stand: 14.03.2026, 09:01 Uhr MEZ | ALLE PREISE IN US-DOLLAR | Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768
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Stand: März 2026 | KW11
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.