Goldpreis KW 8/2026 – Ein Plus von knapp 1,3 %
Die dritte Februarwoche brachte extreme Volatilität am Goldmarkt. Nach einem ruhigen Wochenauftakt brach Gold am Dienstag massiv ein – nur um sich in den folgenden drei Tagen vollständig zu erholen und am Freitag ein neues Wochenhoch zu markieren. Das Ergebnis: ein Wochenplus von +1,29 Prozent, erkauft durch eine nervenaufreibende Achterbahnfahrt mit fast 7,40 USD Handelsspanne von Tief zu Hoch.
TL;DR – Die Woche in Zahlen
- Wochenhoch: 163,19 USD/g (Freitag, 20.02., Tageshoch)
- Wochentief: 155,79 USD/g (Dienstag, 17.02., Tagestief)
- Schlusskurs Freitag: 163,87 USD/g
- Wochenveränderung: +2,08 USD (+1,29%) gegenüber KW07
- Wichtigstes Ereignis: US-BIP Q4 2025 nur +1,4% annualisiert – schwächstes Quartalswachstum seit Jahren, Stagflationsangst treibt Gold auf Wochenhoch
- Größter Tagesverlust: Dienstag –2,31% – Liquiditätsvakuum durch Chinesisches Neujahrsfest und US Presidents‘ Day
Die Preisentwicklung im Detail
KW08 war eine Woche der zwei Gesichter: starker Preiseinbruch am Dienstag, gefolgt von einer eindrucksvollen dreitägigen Erholung. Am Ende stand ein klares Wochenplus. Die wichtigsten Treiber waren nicht klassische Zinssignale, sondern geopolitische Eskalation, Liquiditätsengpässe durch asiatische Börsenfeiertage und überraschend schwache US-Konjunkturdaten zum Wochenschluss.
| Tag | Datum | Schlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Montag | 16.02.2026 | 160,55 USD/g | — |
| Dienstag | 17.02.2026 | 156,83 USD/g | –2,31 % |
| Mittwoch | 18.02.2026 | 160,28 USD/g | +2,20 % |
| Donnerstag | 19.02.2026 | 160,80 USD/g | +0,33 % |
| Freitag | 20.02.2026 | 163,87 USD/g | +1,91 % |
Montag, 16.02. – 160,55 USD/g (Schlusskurs)
Gold startete ruhig in die Woche – und das aus gleich zwei Gründen. In den USA war Presidents‘ Day: Der US-Anleihenmarkt blieb geschlossen, was die Liquidität in den Goldmärkten deutlich reduzierte. Gleichzeitig begann in China und weiten Teilen Asiens das Chinesische Neujahrsfest (Jahr der Holzschlange), das zur mehrtägigen Schließung der Schanghaier Goldbörse (SGE) führte.
Das Tageshoch lag bei 161,30 USD/g, das Tagestief bei 159,86 USD/g – eine enge Handelsspanne von nur 1,44 USD. Der Schlusskurs von 160,55 USD/g lag leicht unter dem Freitagsschluss der Vorwoche (161,79 USD/g). Gold eröffnete das Wochenbuch damit mit einem kleinen Minus, wartete aber sichtlich auf klarere Impulse.
Dienstag, 17.02. – 156,83 USD/g (–2,31 %)
Der Schocktag der Woche. Gold brach massiv ein und fiel bis auf ein Tagestief von 155,79 USD/g – dem Wochentief. Am Ende des Handelstages stand ein Schlusskurs von 156,83 USD/g, ein Minus von 2,31 Prozent gegenüber dem Vortag.
Die Hauptursache war das Zusammentreffen zweier Liquiditätskiller: Die SGE blieb wegen des Neujahrsfestes weiterhin geschlossen, und auch der US-Markt war nach dem langen Wochenende erst wieder vollständig aktiv. Ohne die chinesische Nachfrage als Gegengewicht dominierte Verkaufsdruck. Viele Marktteilnehmer sichern Long-Positionen in Gold durch Stop-Loss-Orders ab – einmal ausgelöst, erzeugen diese automatischen Verkaufsaufträge eine Kaskade, die den Preisverfall beschleunigt.
Dass der Einbruch so stark ausfiel, lag also nicht an einem fundamentalen Stimmungswechsel gegenüber Gold, sondern an einer vorübergehenden Anomalie im Angebots-Nachfrage-Gleichgewicht. Die schnelle Erholung ab Mittwoch bestätigte diese Einschätzung.
Mittwoch, 18.02. – 160,28 USD/g (+2,20 %)
Starke Gegenbewegung. Gold erholte sich um 2,20 Prozent und schloss bei 160,28 USD/g. Das Tageshoch lag bei 161,08 USD/g – bereits wieder nahe dem Montags-Niveau, was zeigt, wie schnell der Dienstags-Einbruch korrigiert wurde.
Zwei Katalysatoren trieben den Anstieg. Erstens: Die US-Notenbank veröffentlichte die Protokolle ihrer Januar-Sitzung (27./28.01.2026). Die Aussagen zeigten eine tief gespaltene Behörde – einige Mitglieder diskutierten offen die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen, sollte die Inflation hartnäckig bleiben. Normalerweise sind hawkische FOMC-Signale schlecht für Gold. Diesmal reagierte der Markt anders: Die Uneinigkeit der Fed wurde als Zeichen der Unsicherheit gewertet – und Unsicherheit ist gut für Gold.
Zweitens und entscheidend: Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskalierten scharf. Das Weiße Haus bestätigte, dass alle US-Streitkräfte bis Mitte März in der Region positioniert sein müssen – ein konkreter militärischer Zeitrahmen, der die Kriegsangst anfachte. Geopolitische Risiken dieser Art treiben Anleger in sichere Häfen. Gold war der Hauptnutznießer.
Donnerstag, 19.02. – 160,80 USD/g (+0,33 %)
Ruhige Konsolidierung auf hohem Niveau. Gold legte marginal zu und schloss bei 160,80 USD/g. Das Tageshoch von 161,44 USD/g und das Tagestief von 159,70 USD/g zeigen: Die Bewegung war eng begrenzt, der Markt wartete auf den Freitag.
Die US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung überraschten positiv: 206.000 neue Anträge für die Woche zum 14.02. – deutlich weniger als die erwarteten 225.000 und ein Rückgang von 23.000 gegenüber der Vorwoche. Stärkere Arbeitsmarktdaten sprechen üblicherweise gegen Zinssenkungen und belasten Gold. Doch die anhaltenden Geopolitik-Risiken und die Erwartung wichtiger Daten am nächsten Tag stützten das Edelmetall. Dass Gold trotz des positiven Jobsmarkt-Signals kaum nachgab, zeigt die strukturelle Stärke des geopolitischen Bodens in dieser Woche.
Freitag, 20.02. – 163,08 USD/g (+1,41 %)
Gold schoss zum Wochenschluss auf das Wochenhoch und schloss bei 163,87 USD/g (Stand: 22:00 Uhr, offizieller Börsenschluss). Das Tageshoch von 163,19 USD/g markierte den höchsten Stand der gesamten Woche. Der Grund: Die US-Wirtschaftsdaten zeichneten das Bild einer Stagflation – schwaches Wachstum bei hartnäckig hoher Inflation. Das ist historisch eines der goldfreundlichsten Szenarien überhaupt.
Das Bureau of Economic Analysis (BEA) veröffentlichte die erste Schätzung für das US-BIP im vierten Quartal 2025: nur +1,4 Prozent annualisiert, nach +4,4 Prozent im Vorquartal – ein dramatischer Einbruch. Gleichzeitig lag der Kern-PCE-Preisdeflator für Dezember bei +0,4 Prozent monatlich und +3,0 Prozent im Jahresvergleich – einen vollen Prozentpunkt über dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent.
Obendrauf: Die S&P-Global-Einkaufsmanagerindizes für Februar enttäuschten. Composite-PMI (52,3) und Dienstleistungssektor (52,3) fielen auf 10-Monatstiefstwerte, das verarbeitende Gewerbe (51,2) auf ein 7-Monatstief. Zum Vergleich: Eurozone, Großbritannien, Japan und Indien übertrafen ihre Januar-Werte. Die Wachstumsschwäche ist ein US-spezifisches Signal.
Wochenhoch und Wochentief – Was steckt dahinter?
Wochenhoch: 163,19 USD/g am Freitag
Das Wochenhoch entstand intraday am Freitag nach Veröffentlichung der US-BIP- und PCE-Daten um 8:30 Uhr New Yorker Zeit (14:30 Uhr MEZ). Die kombinierte Botschaft – schwache Wirtschaft, hohe Inflation – traf den Goldmarkt ins Schwarze. Stagflation bedeutet, dass die Fed weder mit Zinserhöhungen (würde Wachstum weiter dämpfen) noch mit Zinssenkungen (würde Inflation weiter anheizen) entschlossen handeln kann. In diesem geldpolitischen Dilemma gewinnt Gold als Wertspeicher ohne Gegenparteirisiko und ohne Zinssensitivität.
Wochentief: 155,79 USD/g am Dienstag
Das Wochentief wurde am Dienstag intraday markiert. Die Preisdifferenz zwischen Wochentief (155,79 USD/g) und Wochenhoch (163,19 USD/g) betrug 7,40 USD/g – eine Handelsspanne von 4,75 Prozent innerhalb einer einzigen Woche. Das zeigt, wie sensibel Gold auf Liquiditätsschwankungen reagiert, auch ohne fundamentalen Stimmungswechsel. Wer den Dienstag-Einbruch als Kaufgelegenheit nutzte, konnte innerhalb von drei Tagen die vollständige Erholung mitnehmen.
Chinesisches Neujahrsfest: Wenn Shanghai schweigt
Das Chinesische Neujahrsfest hat einen oft unterschätzten Einfluss auf globale Goldpreise. Die Schanghaier Goldbörse (SGE) ist nach London und New York die drittgrößte Handelsplattform für Gold weltweit. Wenn sie für mehrere Tage schließt, fällt ein bedeutender Nachfragepfeiler aus dem Markt.
China ist seit Jahren der weltgrößte Goldverbraucher. Die Volksbank China kauft kontinuierlich Reserven auf – laut Weltgoldrat bereits 15 Monate in Folge. Wenn diese Nachfrage für eine Woche pausiert, wird der Markt anfälliger für Verkaufsdruck aus dem Westen. Erschwerend kam in KW08 der US-amerikanische Presidents‘ Day am Montag hinzu, der die Liquidität weiter ausdünnte.
Das klassische Muster bei solchen Liquiditätslücken: Erst Preisrückgang mangels Käufer, dann kräftige Erholung, sobald die Nachfrage zurückkehrt. Genau das spielte sich in KW08 ab. Der Dienstag-Einbruch war ein Liquiditätsphänomen, kein Stimmungswechsel – die Erholung ab Mittwoch war entsprechend schnell und vollständig.
FOMC-Protokoll und US-Iran-Spannungen: Zwei Treiber, eine Richtung
Die Veröffentlichung der FOMC-Protokolle am Mittwoch verdient besondere Aufmerksamkeit. Die US-Notenbank zeigte sich in ihrer Januar-Sitzung tief gespalten. Die Mehrheit sah Stabilisierungszeichen am Arbeitsmarkt, warnte aber gleichzeitig vor anhaltend hoher Inflation. Einzelne Mitglieder diskutierten explizit die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen – ein für sich genommen goldnegatives Signal.
In KW08 war das Gegenteil der Fall: Die Uneinigkeit innerhalb der Fed – weder klar dovish noch klar hawkish – wurde als Zeichen der Planungsunsicherheit gewertet. In solchen Phasen gewinnt Gold als neutraler Wertspeicher ohne Gegenparteirisiko. Der entscheidende Verstärker war die Eskalation der US-Iran-Spannungen. Die Bestätigung des Weißen Hauses, dass US-Streitkräfte bis Mitte März in Stellung gebracht werden müssen, setzte eine konkrete militärische Deadline. Für Anleger war das Signal eindeutig: Der geopolitische Risikoaufschlag für Gold wächst.
Stagflationsangst am Freitag: Schwaches BIP trifft heißes PCE
Der Freitag war der makroökonomisch bedeutendste Tag der Woche. Das US-Bruttoinlandsprodukt wuchs im vierten Quartal 2025 nur noch mit 1,4 Prozent annualisiert – nach 4,4 Prozent im Vorquartal. Gleichzeitig stieg der Kern-PCE-Deflator auf 3,0 Prozent im Jahresvergleich und lag damit einen vollen Prozentpunkt über dem Fed-Ziel. Das Ergebnis: das klassische Stagflationsbild – wenig Wachstum, hartnäckig hohe Teuerung.
Hinzu kamen schwache PMI-Daten für Februar: Composite-PMI und Dienstleistungssektor fielen auf 10-Monatstiefstwerte (52,3), das verarbeitende Gewerbe auf ein 7-Monatstief (51,2). Während die US-Zahlen enttäuschten, übertrafen Eurozone, Großbritannien, Japan und Indien ihre Januarwerte. Die Wachstumsschwäche ist also kein globales, sondern ein US-spezifisches Phänomen.
Für Gold ist Stagflation ein Traumszenario. Die Fed kann nicht einfach die Zinsen erhöhen (das würde das Wachstum weiter dämpfen) und auch nicht senken (das würde die Inflation anheizen). In diesem geldpolitischen Dilemma gewinnt Gold, weil es unabhängig von Zinsentscheidungen und Wachstumszyklen als Wertspeicher funktioniert.
Fazit: Volatilität mit positivem Ausgang
Die achte Februarwoche 2026 liefert ein Paradebeispiel für Goldmarkt-Dynamik: Kurzfristige Liquiditätsschocks können den Preis stark bewegen, ohne die fundamentalen Treiber zu verändern. Der Dienstags-Einbruch von 2,31 Prozent wurde vollständig korrigiert – und mehr. Gold schloss die Woche mit einem Plus von 1,29 Prozent und dem Wochenhoch am Freitag.
Die drei strukturellen Treiber bleiben intakt: Zentralbanken kaufen ungebrochen, geopolitische Spannungen im Nahen Osten liefern konstante Nachfrage nach sicheren Häfen, und die globale wirtschaftliche Unsicherheit – allen voran das Stagflations-Szenario in den USA – stärkt die relative Attraktivität des Edelmetalls gegenüber zinsabhängigen Anlagen. Wer Gold als langfristigen Wertspeicher hält, hat durch KW08 einmal mehr gesehen: Die Schwächephasen dauern Tage – die strukturellen Aufwärtstrends Monate.
Quellen: Deutsche Börse (Goldpreis Rohstoff, Kurshistorie), Bureau of Economic Analysis (BEA – GDP Advance Estimate Q4 2025, PCE), U.S. Department of Labor (Initial Jobless Claims), S&P Global (PMI), Bloomberg, Reuters
Stand: 20.02.2026, 22:00:23 | ALLE PREISE IN US-DOLLAR | Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768
Weiterführende Ratgeber
Stand: Februar 2026 | KW08
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.