Goldpreis KW 25/2026: Wenn Frieden nur bis Mittwoch hält



Am Montag dieser Woche sah es aus, als wäre der Krieg am Golf Geschichte. Ein Rahmenabkommen, offene Meerenge, fallende Ölpreise. Gold stieg. Dann, Mitte der Woche: Die Zweifel kamen zurück. Und am Freitagnachmittag funkt die iranische Revolutionsgarde alle Schiffe an. Nicht nähern. Warnschüsse. Und Gold? Verliert am Ende über ein Prozent. In einer Woche mit einem (fast) Rahmenabkommen zum Frieden am Persischen Golf, drei Zentralbank-Entscheidungen und schlussendlich dann doch wieder mit Warnschüssen an einer der wichtigsten Meerengen der Welt.

ALLE PREISE IN US-DOLLAR.

TL;DR – Die Woche in Zahlen

  • KW24-Schluss (Referenz): 135,28 USD/g (Fr 12.06.2026, 4.207,7018 USD/oz)
  • Wochenhoch: 139,27 USD/g (Dienstag, 16.06., 4.332,7045 USD/oz)
  • Wochentief: 133,68 USD/g (Freitag, 19.06., 4.157,8363 USD/oz)
  • Freitags-Schlusskurs: 133,68 USD/g (4.157,8363 USD/oz)
  • Wochenveränderung: −1,60 USD/g (-1,19 %) gegenüber KW24
  • Wichtigstes Ereignis: Die iranische Revolutionsgarde fordert am Freitagnachmittag per Funk alle Schiffe auf, sich der Straße von Hormus nicht zu nähern. Warnschüsse folgen. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, das die Woche noch hoffnungsvoll begonnen hatte, steht damit erneut in Frage.
  • Überraschung der Woche: Gold stieg zum Wochenhoch, als die Entspannung am Golf frisch war. Dann drehte der Kurs bereits Mitte der Woche, noch bevor am Freitag die Warnschüsse fielen.
  • Geldpolitik: Die US-Notenbank (Fed) hielt am Mittwoch die Leitzinsen unverändert bei 3,75 Prozent. Keine Überraschung für die Märkte, aber ein klares Signal: Trotz Geopolitik und sinkender Ölpreise keine Kursänderung.
  • Weitere Zentralbanken: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beließ ihren Leitzins am Donnerstag bei 0,00 Prozent. Die Bank of England hielt ebenfalls bei 3,75 Prozent. Drei Zentralbanken, drei Mal keine Überraschung.
  • Geopolitik: Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sorgte zu Wochenbeginn für Erleichterung. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports läuft, schien sich zu öffnen. Ab Mitte der Woche kamen erste Zweifel. Am Freitag, 19.06., um 15:07 Uhr meldeten Medien: Die iranische Revolutionsgarde hat alle Schiffe per Funk aufgefordert, sich der Straße von Hormus nicht zu nähern. Warnschüsse wurden abgefeuert.
  • Hinweis zur Datenquelle: Der XETRA-Schlusskurs der Deutschen Börse für Freitag, 19.06.2026, war zum Redaktionsschluss leider nicht verfügbar. Die Deutsche Börse kämpfte am Freitagabend offenbar mit technischen Schwierigkeiten. Wir bitten unsere Leserinnen und Leser, das zu entschuldigen, auch wenn wir dafür natürlich nichts können. Der Freitagskurs basiert auf Daten von Lang & Schwarz via wallstreet-online.de (Stand 21:38:50 Uhr) als Zwischenstand. Offizieller XETRA-Schlusskurs (Deutsche Börse, 19.06.2026, 22:00:16 Uhr): 4.157,8363 USD/oz.

Die Preisentwicklung im Detail

KW25 war eine Woche, die sich wie ein Thriller gelesen hat und am Ende mit über einem Prozent Minus endet. Montag und Dienstag stiegen die Kurse, getragen von der Hoffnung auf eine dauerhafte Entspannung am Golf. Mittwoch und Donnerstag folgte die Ernüchterung. Und Freitag die Warnschüsse. Wer den Kurs nur einmal in der Woche geschaut hat, einmal montags und einmal freitags, hat eine der dramatischsten Wochen seit Monaten fast komplett verpasst.

TagDatumSchlusskursVeränderung
Montag15.06.2026138,84 USD/g+0,41 %
Dienstag16.06.2026139,27 USD/g+0,31 %
Mittwoch17.06.2026136,23 USD/g−2,19 %
Donnerstag18.06.2026135,54 USD/g−0,51 %
Freitag19.06.2026133,68 USD/g-1,37 %

Mo–Do: XETRA-GOLD-Schlusskurse (Quelle: Deutsche Börse). Fr 19.06.2026 Stand 22:00:16 Uhr. Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768.

Montag, 15.06. – 138,84 USD/g (+0,41 %)

Die Woche startete mit Rückenwind. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, das in der Nacht zum Sonntag bekannt geworden war, sorgte für spürbare Erleichterung an den Märkten. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports läuft, schien sich zu öffnen. Der Ölpreis fiel. Fallende Ölpreise bedeuten weniger Inflationsdruck, und weniger Inflationsdruck bedeutet: Die Notenbanken müssen nicht so hart bremsen.

Für Gold war das ein zwiespältiges Signal. Die geopolitische Anspannung nahm ab, ein Faktor, der Gold als sicheren Hafen normalerweise stützt. Gleichzeitig fielen die Energiepreise, was die Inflationssorgen dämpfte. Dass Gold trotzdem mit einem kleinen Plus aus dem Montag ging, zeigt: Die Erleichterung über das Abkommen überwog in diesem Moment.

Dienstag, 16.06. – 139,27 USD/g (+0,31 %)

Das Wochenhoch. Gold kletterte auf 139,27 USD/g, den höchsten Schlusskurs der Woche. Der G7-Gipfel lief im Hintergrund, und die Stimmung in der Eurozone überraschte deutlich positiv: Der ZEW-Index, eine monatliche Umfrage unter Finanzexperten zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland (ZEW steht für Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung), stieg auf plus 10,5 Punkte. Erwartet worden waren minus 5,8 Punkte. Eine der deutlichsten Überraschungen seit Monaten.

Für Sparerinnen und Sparer in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutete das: Die Stimmung unter Fachleuten hatte sich zum ersten Mal seit Monaten klar aufgehellt. Der Grund war das Iran-Abkommen und die Aussicht auf sinkende Energiepreise. Dass Gold trotzdem weiter stieg, hatte einen einfachen Grund. Märkte misstrauen Abkommen, solange sie nicht vollständig umgesetzt sind.

Mittwoch, 17.06. – 136,23 USD/g (−2,19 %)

Der größte Verlusttag der Woche. Gold verlor 2,19 Prozent an einem einzigen Tag und fiel von 139,27 auf 136,23 USD/g. Und das, obwohl die wichtigste Nachricht des Tages auf den ersten Blick gar keine Überraschung war.

Am Abend verkündete die US-Notenbank (Fed): Leitzinsen bleiben bei 3,75 Prozent. Keine Erhöhung, keine Senkung. Was genau dahintersteckt, steht im Abschnitt weiter unten. Dazu begann am Nachmittag die Stimmung am Golf zu kippen. Erste Meldungen über neue Spannungen rund um die Straße von Hormus machten die Runde. Der Optimismus vom Montag und Dienstag verflog schneller, als er gekommen war.

Donnerstag, 18.06. – 135,54 USD/g (−0,51 %)

Ein weiterer Verlusttag, diesmal moderater. Gold gab nochmals leicht nach und schloss bei 135,54 USD/g. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hielt ihren Leitzins bei 0,00 Prozent, die Bank of England ebenfalls bei 3,75 Prozent. Keine der drei großen Zentralbanken der Woche lieferte eine Überraschung. Das nahm dem Markt jeden externen Impuls.

Die Lage am Golf blieb angespannt, ohne dass eine klare neue Eskalation gemeldet wurde. Gold bewegte sich in einer engen Spanne. Der Markt wartete ab.

Freitag, 19.06. – 133,68 USD/g (-1,37 %)

Dann, um 15:07 Uhr, die Meldung: Die iranische Revolutionsgarde hat per Funk alle Schiffe in der Nähe der Straße von Hormus aufgefordert, sich nicht zu nähern. Warnschüsse folgten. Die Meerenge, die seit dem Rahmenabkommen als offen galt, war plötzlich wieder Sperrgebiet. Ob das Abkommen damit hinfällig ist oder ob es sich um einen lokalen Zwischenfall einzelner Einheiten handelt, blieb am Freitagabend offen.

Wochenhoch und Wochentief – Was steckt dahinter?

Wochenhoch: 139,27 USD/g am Dienstag

Das Wochenhoch fiel auf den Dienstag, den zweiten Tag nach dem Iran-Rahmenabkommen. Der Markt hatte das Abkommen eingepreist, die Stimmung in der Eurozone überraschte positiv, und die Fed-Entscheidung lag noch einen Tag vor dem Markt. Für 24 Stunden lief alles in dieselbe Richtung. Danach nicht mehr.

Wochentief: 133,68 USD/g am Freitag

Das Wochentief fiel auf den letzten Handelstag. Nicht auf den Tag mit den schlechtesten Makrodaten, nicht auf den Tag der Fed-Entscheidung, sondern auf den Tag, an dem die iranische Revolutionsgarde Warnschüsse abfeuerte. Der Markt hatte die Entspannung vom Wochenbeginn bereits vollständig wieder abgegeben.

Frieden, Warnschüsse, Chaos – die Straße von Hormus in KW25

Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, an ihrer engsten Stelle gerade einmal 33 Kilometer breit. Durch sie läuft rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Wer die Straße von Hormus kontrolliert, kontrolliert einen der wichtigsten Energiekorridore der Welt.

Zu Beginn der Woche schien das Kapitel Hormus-Krise vorerst abgeschlossen. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sah unter anderem die Öffnung der Meerenge vor. Der Ölpreis fiel. Die Spritpreise an deutschen Tankstellen näherten sich laut Medienberichten wieder dem Vorkriegsniveau. Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz war das die konkreteste gute Nachricht seit Monaten.

Dann, Freitagnachmittag: Die iranische Revolutionsgarde forderte per Funk alle Schiffe auf, sich der Straße von Hormus nicht zu nähern. Warnschüsse folgten. Ob das ein Befehl der iranischen Führung war, ein Alleingang einzelner Einheiten oder ein Testballon, blieb am Freitagabend ungeklärt.

Für alle, die in Gold investiert sind oder darüber nachdenken: Die Hormus-Story ist noch nicht vorbei. Solange unklar ist, ob das Rahmenabkommen hält, bleibt die Straße von Hormus ein Unsicherheitsfaktor, der Öl-, Energie- und damit auch Goldpreise von einem Tag auf den anderen bewegen kann.

Die Fed hält still – und das ist diesmal die eigentliche Nachricht

Am Mittwochabend verkündete die US-Notenbank (Fed) ihre Entscheidung: Leitzinsen bleiben unverändert bei 3,75 Prozent. Keine Erhöhung, keine Senkung. Auf dem Papier eine Nicht-Nachricht. In der Realität war es der Auslöser für den größten Tagesverlust der Woche.

Warum? Weil der Markt vor der Entscheidung gehofft hatte, die Fed könnte angesichts fallender Ölpreise und des Iran-Abkommens erste Signale für eine baldige Zinssenkung geben. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Die Fed zeigte sich in ihrer Stellungnahme vorsichtig. Zu früh, um die Lage am Golf als dauerhaft entspannt einzustufen.

Was das für Sparerinnen und Sparer in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet: US-Leitzinsen beeinflussen den Dollarkurs. Ein starker Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA teurer, weil Gold weltweit in Dollar gehandelt wird. Bleibt der Dollar stark, weil die Fed die Zinsen hochhält, bleibt Gold für europäische Käufer rechnerisch teurer. Das dämpft die Nachfrage und damit den Kurs.

Kurz gesagt: Die Fed hat am Mittwoch nichts getan. Und genau das hat Gold 2,19 Prozent gekostet.

Thriller-Woche, über ein Prozent Minus – wie passt das zusammen?

Eine Woche mit einem Rahmenabkommen, einem G7-Gipfel, drei Zentralbank-Entscheidungen und Warnschüssen an einer der wichtigsten Meerengen der Welt. Und Gold verliert unterm Strich gut ein Prozent. Wie passt das zusammen?

Die Antwort liegt in der Reihenfolge der Ereignisse. Die guten Nachrichten kamen zuerst, das Iran-Abkommen vom Wochenende, und wurden sofort in den Kurs eingepreist. Als die schlechten Nachrichten folgten, war der Spielraum nach unten begrenzt, weil Gold in den Wochen zuvor bereits erheblich gefallen war.

Dazu kommt: Geopolitische Ereignisse am Golf sind für den Goldmarkt inzwischen kein Schock mehr, sondern Routine. Der Markt hat gelernt, dass Abkommen kommen und gehen, dass Warnschüsse abgefeuert werden und dass die Straße von Hormus mal offen und mal zu ist. Was früher den Kurs um fünf Prozent bewegt hätte, löst heute eine Reaktion von einem Prozent aus. Das Risiko ist längst dauerhaft im Kurs enthalten.

Fazit und Ausblick auf KW26

Gold hat in KW25 eine Woche hinter sich, die auf dem Papier ereignisreich war und im Kurs knapp über ein Prozent Verlust hinterlassen hat. Rahmenabkommen, G7-Gipfel, drei Zentralbanken ohne Überraschung, und am Freitag Warnschüsse an der Straße von Hormus. Die Woche begann mit Hoffnung und endete mit einem Fragezeichen.

In KW26 stehen folgende Themen im Vordergrund:

  • Hormus und Iran-Abkommen: Die Warnschüsse vom Freitag werden die erste Frage der neuen Woche sein. Hält das Rahmenabkommen, oder war KW25 der Beginn einer neuen Eskalation? Jede Meldung aus dem Golf kann den Goldkurs sofort bewegen.
  • Energiepreise: Sollte die Straße von Hormus erneut gesperrt werden, wären steigende Ölpreise die unmittelbare Folge. Das würde die Inflation wieder anfachen, die Zentralbanken unter Druck setzen und Gold als sicheren Hafen wieder attraktiver machen.
  • Charttechnik: Gold hat in KW25 die Zone um 135 USD/g nach unten durchbrochen und schloss unter 134 USD/g. Der nächste relevante Bereich, also der Bereich, in dem erfahrungsgemäß Käufer einsteigen, liegt um 130 USD/g.
  • Zentralbanken: Nach drei Zinsentscheidungen ohne Überraschung in KW25 wird der Markt in KW26 vor allem auf Aussagen einzelner Notenbankvertreter achten. Jeder Hinweis auf eine mögliche Zinssenkung in den USA wäre positiv für Gold.

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Quellen: Deutsche Börse (XETRA-GOLD, Kurshistorie 15.–18.06.2026), Deutsche Börse (XETRA-GOLD, Schlusskurs 19.06.2026, 22:00:16 Uhr), Forex Factory (Wirtschaftskalender KW25, HIGH IMPACT Events: Federal Funds Rate, FOMC Statement, FOMC Press Conference, SNB Policy Rate, Official Bank Rate, MPC Official Bank Rate Votes), Deutsche Boerse Live-Rohstoff-Newsfeed (15.–19.06.2026)
Stand: 19.06.2026 | KW25 | ALLE PREISE IN US-DOLLAR | Umrechnung: USD/g = USD/oz ÷ 31,1034768

Autor: Ishy Bazooka

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Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Goldbrief fasst lediglich die Ereignisse der Woche zusammen. Der genannte Marktpreis ist nicht der Ankaufspreis. Goldankäufer zahlen weniger, da sie Verarbeitung, Versand und Marge einkalkulieren müssen. Preise in USD.